Täter vor Gericht: Die Karriere des Vernichtungslager-Kommandanten Franz Stangl

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Er war verantwortlich für den Tod von Hunderttausenden, doch es dauerte Jahrzehnte, bis er sich verantworten musste. In der Dokumentationsstätte Topographie des Terrors beleuchtet der Historiker Dr. Florian Gregor die schockierende Laufbahn von Franz Stangl – dem einzigen Kommandanten eines Vernichtungslagers, der jemals vor einem deutschen Gericht stand.

Die Biografie von Franz Stangl (1908–1971) liest sich wie eine Chronik der Radikalisierung innerhalb des NS-Apparats. Sein Weg führte ihn von der bürokratischen Vorbereitung des Terrors bis an die Spitze der effizientesten Tötungsmaschinerien des „Dritten Reiches“.

Eine Karriere der Vernichtung

Dr. Florian Gregor zeichnet in seinem Vortrag die Stationen eines Aufstiegs nach, der konsequent auf Massenmord basierte:

  • Die Anfänge: Dienst im „Judenreferat“ der Gestapo Linz und Beteiligung an der „Euthanasie“-Aktion T4 in der Tötungsanstalt Hartheim.
  • Die Kommandantur: Leitung der Vernichtungslager Sobibor und Treblinka (1942/43), wo er die industrielle Ermordung europäischer Juden koordinierte.
  • Kriegsende in Italien: Einsatz zur Partisanenbekämpfung und Judenverfolgung in der Operationszone Adriatisches Küstenland.

Flucht nach Brasilien und späte Gerechtigkeit

Nach dem Krieg gelang Stangl die Flucht über die sogenannte „Rattenlinie“ nach Südamerika. Erst 1967 wurde er in Brasilien aufgespürt und an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert. Der Prozess vor dem Landgericht Düsseldorf (1970) war ein Meilenstein der deutschen Rechtsgeschichte. Stangl wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, verstarb jedoch in der Haft, noch bevor das Urteil rechtskräftig werden konnte.

Einordnung und Diskussion

Unter der Moderation von Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt geht der Abend der Frage nach, wie ein durchschnittlicher Polizeibeamter zum effizienten Verwalter des Todes werden konnte und welche Rolle die späten NS-Prozesse für das heutige Verständnis von Täterschaft und Verantwortung spielen.

Mehr unter: topographie.de

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