Franz Xaver Messerschmidt: Das Wiener Belvedere bietet neue Perspektiven auf sein Werk

Wer an Franz Xaver Messerschmidt denkt, hat meist sofort die berühmten „Charakterköpfe“ vor Augen – jene drastisch verzerrten Grimassen, die bis heute verstören und faszinieren. Doch das Belvedere rückt nun das Gesamtbild gerade. Die neue Ausstellung zeigt den Bildhauer nicht als isolierten Exzentriker, sondern als hellwachen Beobachter einer kulturellen Zeitenwende im 18. Jahrhundert.

Hier lesen Sie, warum sich der Blick hinter die Grimasse lohnt.

Porträtist der Elite

Lange bevor die berühmten Köpfe entstanden, war Messerschmidt eine feste Größe im kulturellen Gefüge seiner Zeit. Die Ausstellung legt einen starken Fokus auf seine Porträts von Mitgliedern des Hofes, des Adels sowie von führenden Wissenschaftlern und Schriftstellern. Diese Arbeiten sind weit mehr als reine Abbilder; sie spiegeln die feinen gesellschaftlichen und geistigen Strukturen einer Epoche im Umbruch wider.

Die „Charakterköpfe“ im Faktencheck

Ab etwa 1770 entstanden jene Werke, die heute als sein Markenzeichen gelten. Die Schau befreit die „Charakterköpfe“ von den Mythen, die sich später um sie rankten, und bettet sie in die knallharte Realität der Aufklärung ein.

Messerschmidts Obsession mit der Mimik war kein Einzelfall, sondern entsprach dem wissenschaftlichen Zeitgeist. Durch den direkten Vergleich mit Arbeiten von Zeitgenossen wie Joseph Ducreux, William Hogarth und Jakob Matthias Schmutzer wird deutlich: Das analytische Interesse am menschlichen Gesicht und seinen Regungen war ein europäisches Phänomen.

Messerschmidt im Belvedere

Das Museum verfügt über den weltweit größten Bestand an Werken Messerschmidts und stellt diesen seit über einem Jahrhundert aus. Mit dieser Expertise im Rücken wagt das Belvedere nun eine neue Einordnung, die den Künstler als das zeigt, was er war: eine der faszinierendsten Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts.

Mehr unter: belvedere.at

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