Franz Marc im K20 Düsseldorf: Die Suche nach einer besseren Welt

Direktorin Susanne Gaensheimer führt im Video in die Ausstellung im K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ein. Mit mehr als 120 Werken zeichnet die Präsentation die künstlerische Entwicklung von Franz Marc (1880–1916) nach – vom frühen Schaffen über die berühmten Tierbilder des Expressionismus bis hin zu den abstrakten Kompositionen seiner letzten Jahre. Dabei wird deutlich, wie eng Marcs Suche nach einer neuen Bildsprache mit seiner Hoffnung auf eine bessere Welt verbunden war.

Franz Marc: Ein außergewöhnliches Werk in nur zwölf Jahren

Franz Marc zählt zu den bedeutendsten Malern des deutschen Expressionismus. Als Mitbegründer der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ prägte er die Entwicklung der modernen Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entscheidend mit. Obwohl seine künstlerische Schaffenszeit nur rund zwölf Jahre umfasste, entwickelte er eine außergewöhnliche Vielfalt an Ausdrucksformen.

Für Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, liegt darin ein besonderer Reiz des Künstlers. Die Ausstellung „Franz Marc. Die Suche nach einer besseren Welt“ ermöglicht es, seine Entwicklung umfassend nachzuvollziehen und neben den weltberühmten Tierbildern auch weniger bekannte frühe Arbeiten und Zeichnungen zu entdecken.

Die Frage nach einer besseren Welt ist dabei keineswegs nur historisch. Sie beschäftigt Menschen auch heute. Marcs Kunst eröffnet einen Zugang zu den Hoffnungen und gesellschaftlichen Vorstellungen einer Zeit, die von technischen Neuerungen, Veränderungen der Arbeitswelt und einer zunehmenden Beschleunigung des Lebens geprägt war.

Der Blaue Reiter: Auf der Suche nach dem Geistigen in der Kunst

Franz Marc ließ sich von unterschiedlichen künstlerischen Strömungen und Persönlichkeiten beeinflussen. Besonders prägend waren seine Begegnungen mit der französischen Moderne. Die Werke von Henri Matisse, die Marc in Paris kennenlernte, beeinflussten seine Farbigkeit und Formensprache. Eine wichtige Rolle spielte außerdem Robert Delaunay, dessen Einfluss sich sowohl in der Ausstellung als auch im Bestand des K20 nachvollziehen lässt.

Zu den eindrucksvollen Beispielen für Marcs Entwicklung zählen Werke wie „Mutter Stute mit Fohlen“ und „Sibirische Schäferhunde“. Sie verdeutlichen, wie sich der Künstler zunehmend von einer rein äußerlichen Darstellung der Tiere löste. Ihn interessierte vielmehr, die Welt aus ihrer Perspektive zu erfassen und ihr inneres Wesen sichtbar zu machen.

1910 lernte Marc den Maler August Macke kennen. Zwischen den beiden entwickelte sich eine enge Freundschaft, die auch von gemeinsamen Überlegungen zur Farbtheorie geprägt war. Marc begann, Farben mit symbolischen Bedeutungen zu verbinden: Blau stand für das Geistige, Intellektuelle und Männliche, Gelb für das Weibliche und Sinnliche, Rot für das Erdige und Schwere. Diese Vorstellungen übertrug er auf seine Gemälde und entwickelte daraus eine eigenständige Bildsprache.

1911 begegnete Marc im Umfeld der Neuen Künstlervereinigung München unter anderem Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Marianne von Werefkin und Alexej Jawlensky. Aus diesem künstlerischen Umfeld ging Ende des Jahres die Gruppe „Der Blaue Reiter“ hervor.

Ihr gemeinsames Anliegen war die Erneuerung der Kunst. Die Künstlerinnen und Künstler suchten nach Möglichkeiten, das Geistige in der Malerei auszudrücken und über die sichtbare Wirklichkeit hinauszugehen. Mit dieser künstlerischen Erneuerung verband sich zugleich die Hoffnung, auch die Gesellschaft verändern zu können.

Tiere als Sinnbilder einer ursprünglichen Welt

Die Tierbilder Franz Marcs gehören zu den bekanntesten Werken des deutschen Expressionismus. Besonders Pferde verkörperten für ihn eine Einheit von Natur, Seele, Geist und Intellekt, die er in der modernen menschlichen Gesellschaft zunehmend vermisste.

Das Tier wurde für Marc zum Sinnbild einer ursprünglichen Existenz. Es ging ihm nicht darum, Tiere lediglich naturgetreu abzubilden. Vielmehr wollte er ihr Wesen von innen heraus erfassen und sichtbar machen. Die leuchtenden Farben, vereinfachten Formen und harmonischen Kompositionen seiner expressionistischen Werke sind Ausdruck dieser Suche.

Auch über die Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ hinaus stand Marc im Austausch mit anderen Vertretern der Moderne. Zu den wichtigen Bezugspunkten gehörte die Berliner Künstlergruppe „Brücke“. Der Austausch mit unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern machte Marc zu einem Teil eines überregionalen Netzwerks, das gemeinsam nach neuen Wegen für die Malerei suchte.

Vom Expressionismus zur Abstraktion

Im Laufe seiner Entwicklung veränderte Franz Marc seine Bildsprache grundlegend. Seine Auseinandersetzung mit dem Kubismus lässt sich etwa am Werk „Drei Katzen“ von 1913 nachvollziehen, das sich in der Sammlung des K20 befindet. Die Tiere erscheinen hier nicht mehr als klar abgegrenzte, harmonisch gerundete Körper. Stattdessen werden sie zunehmend Teil einer übergeordneten Bildkomposition.

Dieser Prozess führte Marc immer weiter von der gegenständlichen Darstellung weg. Die Tiere verloren nach und nach ihre zentrale Rolle, bis die Komposition selbst zum eigentlichen Thema wurde.

Einen Wendepunkt markiert das Werk „Das arme Land Tirol“. Die Landschaft erscheint darin nicht mehr als harmonischer Ort, an dem sich das Geistige offenbart. Dunkle Bildbereiche, Kreuze und abgemagerte, traurige Pferde verweisen auf eine zunehmend bedrückende Sicht auf die Wirklichkeit.

Marc wandte sich damit stärker den gesellschaftlichen und historischen Realitäten seiner Zeit zu. Neben den düsteren Landschaften entstanden allerdings auch weiterhin paradiesische Szenen. Die Gegensätze zwischen Bedrohung und Hoffnung prägen die späte Schaffensphase und führen schließlich zur Abstraktion.

Die letzten Werke: Visionen einer anderen Zukunft

1914 entstanden Franz Marcs letzte Arbeiten. In seinen abstrakten Kompositionen verzichtete er zunehmend auf gegenständliche Motive und auf konkrete Bildtitel. Die Werke lassen sich als visionäre Szenarien verstehen, in denen Farbe, Form und Bewegung eine eigenständige Bedeutung gewinnen.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 veränderte sich der historische Kontext seiner Kunst dramatisch. Die Ausstellung endet mit Skizzenbüchern aus dem Felde – den letzten Zeugnissen des Künstlers. In Briefen an seine Frau Maria äußerte Marc die Überzeugung, dass seine künstlerische Zukunft in der Abstraktion liege, sofern er den Krieg überleben sollte.

Dazu kam es nicht: Franz Marc fiel 1916 im Ersten Weltkrieg. Seine späten Werke zeigen dennoch, wie konsequent er die Grenzen der gegenständlichen Malerei hinter sich lassen wollte.

Die Ausstellung im K20: Franz Marc neu entdecken

Mit der umfassenden Präsentation möchte die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen die Entwicklung eines bedeutenden Künstlers in ihrer ganzen Breite sichtbar machen. Neben den ikonischen Tierbildern der expressionistischen Phase stehen frühe, weniger bekannte Werke und Zeichnungen sowie die abstrakten Kompositionen der letzten Jahre.

Für Susanne Gaensheimer und ihr Team ist die Ausstellung auch deshalb besonders, weil bedeutende Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit zusammengeführt werden konnten. So entsteht ein facettenreiches Bild von Franz Marc, dessen Kunst weit über die berühmten Tierdarstellungen hinausgeht.

Die Ausstellung „Franz Marc. Die Suche nach einer besseren Welt“ zeigt einen Künstler, der die Erneuerung der Malerei mit der Hoffnung auf eine Veränderung der Gesellschaft verband. Seine Werke erzählen von der Sehnsucht nach Harmonie zwischen Mensch und Natur – und von der Suche nach neuen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche.

Mehr unter: www.kunstsammlung.de/

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