Fokus: Hans Fischli im Zentrum Paul Klee – Zwischen Bauhaus, Gefängniszelle und Architektur

Hans Fischli 
Montana, 1930 
Tusche auf Papier 
26,5 × 20,5 cm 
Nachlass Hans Fischli © Nachlass Hans Fischli 

Das Zentrum Paul Klee widmet dem Schweizer Ausnahmetalent Hans Fischli (1909–1989) eine fokussierte Ausstellung im Rahmen der Dauerausstellung Kosmos Klee. Vom 24. Januar bis 3. Mai 2026 beleuchtet die Schau das beeindruckende Frühwerk eines Mannes, der als Bauhausschüler, Architekt und Künstler die Schweizer Moderne maßgeblich mitprägte.

Hier erfahren Sie, wie aus der Isolation im Gefängnis eine zarte, visionäre Kunst entstand.

Kunst hinter Gittern: Die „Zellengebilde“

Ein zentraler Aspekt der Ausstellung ist eine Werkgruppe, die unter außergewöhnlichen Umständen entstand. 1930 verbüßte Fischli eine dreimonatige Haftstrafe wegen Dienstverweigerung im Bezirksgefängnis Meilen.

„Ich will nicht. Das führte zu drei Monaten Isolationshaft, die für mich enorm wichtig gewesen sind, weil ich endlich einmal nichts anderes machen konnte als zu zeichnen.“ – Hans Fischli, 1986

Mit bescheidensten Mitteln schuf er in der Zelle kleinformatige, filigrane Tusche- und Bleistiftzeichnungen. Diese „Zellengebilde“ zeigen organische Formen, Fabelwesen und menschliche Züge. Sie stehen im bewussten Gegensatz zur rationalen, konstruktiven Moderne jener Zeit und entführen in eine traumartige Fantasiewelt.

Vom Bauhaus in die Schweizer Moderne

Fischli studierte ab 1928 am Bauhaus in Dessau und lernte dort von den Meistern der Moderne: Paul Klee, Wassily Kandinsky, Josef Albers und Oskar Schlemmer. Die Ausstellung zeigt, wie Fischli diese Einflüsse verarbeitete und insbesondere in seinen Serien Celerina und Montana eine ganz eigene, zarte Formensprache entwickelte, während in Europa der Nationalsozialismus aufzog.

Architektur am Existenzminimum

Neben dem zeichnerischen Werk präsentiert die Fokus-Ausstellung drei bedeutende Architekturprojekte, die Fischlis politisches und soziales Bewusstsein spiegeln:

  • Das Haus für Oskar Schlemmer (1936): Ein bisher kaum beachtetes Zeugnis des Widerstands. Fischli entwarf im Schwarzwald ein Atelierhaus für seinen ehemaligen Lehrer, das unter dem Druck des NS-Regimes zu einem Projekt am absoluten Existenzminimum wurde.
  • Architektur im Dienste der Humanität: Gezeigt werden Fischlis Entwürfe für das Kinderdorf für Kriegswaisen La Rasa in Norditalien (1949/50) sowie seine Ausstellungsarchitektur für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (Kriegsgefangen, 1945).

Service-Informationen

Titel: Fokus. Hans Fischli (1909–1989)
Zeitraum: 24. Januar bis 3. Mai 2026
Ort: Zentrum Paul Klee, Bern
Inhalt: Zeichnungen (Zellengebilde, Celerina, Montana) und Architekturmodelle/-pläne

Mehr unter: zpk.org

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