
Es ist ein Coup für das Siegerlandmuseum: Nach Stationen in den glanzvollsten Kunstkammern Europas kehrt ein Meisterwerk der Renaissance-Goldschmiedekunst pünktlich zum 120. Museumsjubiläum in seine historische Heimat zurück. Der prachtvolle Deckelpokal des Valentin von und zu der Hees ist nicht nur ein Zeugnis höchster Handwerkskunst, sondern auch ein seltenes Dokument regionaler Adelsgeschichte.
Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Landes NRW und lokaler Förderer konnte dieses Objekt von nationaler Bedeutung für die Dauerausstellung in Siegen gesichert werden.
Meisterliche Präzision aus Nürnberg
Der vergoldete Silberpokal entstand um 1581 in einer der damals exklusivsten Werkstätten Europas: bei Hans I. Rappolt in Nürnberg.
- Einzigartigkeit: Außerhalb des berühmten Grünen Gewölbes in Dresden ist dies das einzige Werk Rappolts, das in Deutschland öffentlich zugänglich ist.
- Stilistisches Scharnier: Während die Form des Bechercuppenpokals typisch für die Renaissance ist, deutet die Ornamentik bereits auf den Barock hin. Die Oberflächen sind überbordend verziert mit grotesken Masken, exotischen Paradiesvögeln und üppigen Fruchtmotiven.
- Repräsentation: Mit einer stolzen Höhe von 48 cm diente der Pokal nicht dem alltäglichen Umtrunk, sondern als zeremonielles Statussymbol im Umfeld des Reichsadels.
Die Spurensuche: Von Siegen über Rothenburg nach Paris
Die Geschichte des Pokals liest sich wie ein europäisches Geschichtsbuch. Er verbindet den westfälischen Niederadel mit dem Johanniterorden und dem internationalen Bankenadel:
- Der Auftraggeber: Im Deckel prangt das Wappen von Valentin von und zu der Hees d. J. Seine Familie stammte aus Ferndorf bei Siegen und prägte über Generationen die Politik der Region. Valentin selbst stieg zum Komtur der Johanniter in Rothenburg ob der Tauber auf.
- Die Sammlung Rothschild: Im 19. Jahrhundert gelangte das Meisterwerk in den Besitz der französischen Bankiersfamilie Rothschild. Gustave de Rothschild, ein passionierter Sammler, schätzte den Pokal als herausragendes Beispiel für die Ästhetik der Renaissance-Kunstkammern.
- Die Rückkehr: 2019 versteigert und nun vom Kunsthandel erworben, schließt sich 2025/26 der Kreis: Der Pokal kehrt an den Ort zurück, an dem die Wurzeln seiner Besitzerfamilie liegen.
Ein Impuls für die Forschung
Für das Siegerlandmuseum ist der Ankauf kein Endpunkt, sondern ein Anfang. Dr. Christine Regus von der Kulturstiftung der Länder betont die vielfältigen Anknüpfungspunkte:
- Wie genau verlief der Weg des Pokals durch die Hände der Familie Rothschild?
- Welche spezifischen diplomatischen oder religiösen Anlässe führten zur Anfertigung dieses „Huldigungspokals“?
Mehr unter: www.kulturstiftung.de







