Krakau, 8. April 1525. Auf dem belebten Rathausplatz kniet Albrecht von Brandenburg-Ansbach, der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens, vor seinem Onkel, dem polnischen König Sigismund I. Was wie ein rein zeremonieller Akt wirkte, war in Wahrheit die Geburtsstunde Preußens und der erste Paukenschlag der Reformation auf staatlicher Ebene.
In seinem Vortrag vom 6. April 2025 beleuchtet Prof. Igor Kąkolewski (Direktor des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften) dieses oft unterschätzte Jubiläum. Er zeigt auf, warum der Friede von Krakau weit mehr war als nur das Ende eines langen Krieges.
Das Ende einer Ära – Der Anfang eines Staates
Über hundert Jahre lang hatten sich der Deutsche Orden und die polnisch-litauische Union blutige Auseinandersetzungen geliefert. Der Friede von Krakau setzte diesem Konflikt ein radikales Ende:
- Säkularisierung: Der einstmals mächtige geistliche Ordensstaat wurde in ein weltliches Herzogtum umgewandelt.
- Das erste protestantische Land: Mit diesem Schritt wurde Preußen zum ersten Staat Europas, der sich offiziell zur Reformation bekannte.
- Vom Hochmeister zum Herzog: Albrecht von Brandenburg-Ansbach trat als Herzog von Preußen erstmals als weltlicher Akteur auf die politische Bühne.
Warum wir uns (falsch) erinnern
Interessanterweise steht der Friede von 1525 in der allgemeinen Erinnerungskultur oft im Schatten der Königskrönung von 1701. Doch Kąkolewski argumentiert, dass 1525 das eigentliche Fundament war:
Dass dieses Ereignis heute weniger präsent ist als die Krönung Friedrichs I., liegt laut Kąkolewski auch an der unterschiedlichen Gewichtung in der deutschen und polnischen Geschichtsschreibung. Während man in Deutschland oft auf den Aufstieg zur Großmacht blickt, ist der „Krakauer Huldigung“ (Hołd pruski) in Polen ein ikonischer Platz im nationalen Gedächtnis sicher.
Mehr unter: www.brandenburg-preussen-museum.de





