Die „Madonna des heiligen Sebastian“ entstand um 1524 und gilt als bedeutendes Werk des italienischen Renaissance-Malers Antonio Allegri, genannt Correggio. Der Künstler schuf das Altarbild für die Bruderschaft des heiligen Sebastian in Modena.
Über die Jahrhunderte hat das Gemälde jedoch erhebliche Schäden erlitten. Im Rahmen eines umfassenden Forschungs- und Restaurierungsprojekts wird der Erhaltungszustand des Werkes untersucht und die Malerei Schritt für Schritt konserviert und restauriert.
Schäden durch den Bildträger
Eine der auffälligsten Veränderungen an Correggios Gemälde ist heute die wellenartige Oberfläche der Holztafel. Ursache dafür sind ungeeignete Bretter, die bei der Herstellung des Bildträgers verwendet wurden.
Durch die konvexe Verwölbung der Bretter entstanden insbesondere an den Leimfugen Spannungen. In der Folge lösten sich Teile der Farbschicht und gingen verloren.
Historische Quellen belegen zudem, dass das Altarbild bereits im Besitz der Bruderschaft beschädigt war. In den darauffolgenden Jahrhunderten verschlechterte sich sein Zustand weiter.
Frühere Restaurierungen überlagerten Correggios Malerei
Das Gemälde wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach restauriert. Um die Tafel und die empfindliche Malschicht zu stabilisieren, wurden unter anderem rückseitige Stützsysteme angebracht.
Auch an der Vorderseite des Bildes erfolgten verschiedene Eingriffe. Diese Maßnahmen dienten zwar dem Erhalt des Werkes, führten jedoch dazu, dass die ursprüngliche Malerei Correggios zunehmend von späteren Überarbeitungen und Restaurierungen überlagert wurde.
Die aktuelle Restaurierung verfolgt deshalb einen umfassenden Ansatz: Neben der Stabilisierung des Bildträgers und der Malschicht werden auch die Schadensursachen und die ursprüngliche Maltechnik Correggios wissenschaftlich untersucht.
Forschung und Restaurierung gehen Hand in Hand
Das Forschungsprojekt verbindet Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung. Dabei geht es nicht nur darum, sichtbare Schäden zu beheben. Auch die Entstehung des Gemäldes, die verwendeten Materialien und Correggios Arbeitsweise werden genauer erforscht.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, die Geschichte des Kunstwerks besser zu verstehen und fundierte Entscheidungen für seine langfristige Erhaltung zu treffen.
Restaurierung live im gläsernen Schau-Atelier
Wegen seiner hohen Empfindlichkeit kann Correggios Madonna des heiligen Sebastian die Galerie nicht verlassen. Die Restaurierung findet deshalb direkt vor Ort in einem gläsernen Schau-Atelier statt.
Für Besucherinnen und Besucher entsteht dadurch eine besondere Möglichkeit: Sie können den Restauratorinnen und Restauratoren bei ihrer Arbeit zusehen und den Fortschritt des Projekts unmittelbar verfolgen.
Die Restaurierung wird damit selbst zu einem Teil der Vermittlung. Statt ein fertiges Ergebnis zu präsentieren, macht das Schau-Atelier sichtbar, wie aufwendig die Erhaltung eines jahrhundertealten Meisterwerks ist.
„Rinascita“: Die Wiedergeburt eines Meisterwerks
Nach Abschluss des Forschungs- und Restaurierungsprojekts sollen die Farbenpracht und der Detailreichtum von Correggios Malerei wieder unmittelbarer erlebbar werden.
Die Restaurierung verspricht damit nicht nur eine Verbesserung des Erhaltungszustands. Sie soll auch einen neuen Blick auf ein Meisterwerk der Renaissance ermöglichen – eine Art Wiedergeburt, die sich im italienischen Begriff „rinascita“ widerspiegelt.
Die Restaurierung von Correggios Madonna des heiligen Sebastian verbindet historische Forschung, moderne Konservierung und öffentliche Vermittlung und macht den komplexen Weg sichtbar, den ein Kunstwerk durch Jahrhunderte bis in die Gegenwart zurücklegt.
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