Die Bundeskunsthalle in Bonn widmet sich in ihrem Jahr der sozialen Nachhaltigkeit einem Gebiet, das fast so groß ist wie Europa: Amazonien. Die Ausstellung „Amazônia. Indigene Welten“ bricht mit westlichen Klischees und lässt die indigenen Völker selbst zu Wort kommen.
Die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Musée du quai Branly in Paris entstanden ist, verfolgt ein klares Ziel: Einen zeitgenössischen Blick auf Amazonien zu werfen, der frei von kolonialistischen Perspektiven ist. Es geht um das Erkennen eines spirituellen, naturverbundenen Riesengebiets mit einer unendlichen Vielfalt an Lebensentwürfen.
Eine Reise durch fünf Kapitel der Erkenntnis
Die Schau ist in fünf thematische Abschnitte unterteilt, die den Besuchern die indigene Kosmologie näherbringen:
- Plurale Welten: Im Gegensatz zur westlichen Vorstellung einer einzigen Welt, gehen amazonische Kosmologien von einer Pluralität der Welten aus. Gezeigt wird, wie diese Welten im Laufe der Geschichte transformiert wurden.
- Die Erschaffung des Menschen: Dieser Bereich beleuchtet, wie Körper sozial konstruiert werden und was nach dem Tod geschieht. In der indigenen Vorstellung werden Menschen nach dem Ableben zu „etwas anderem“, für das die Gesellschaft neue Formen finden muss.
- Beziehungen und das „Andere“: Hier wird die Frage gestellt: Wer ist für die indigenen Völker das „Andere“? Es geht um die Interaktion mit Geistern, Tieren, Pflanzen und auch mit der „weißen“ Gesellschaft.
- Wissensschöpfung: Wissen entsteht in Amazonien nicht nur durch Beobachtung (ähnlich der westlichen Wissenschaft), sondern auch durch Träume, Visionen und die Kommunikation mit Geistern.
- Plurale Zukünfte: Während die westliche Tradition oft von einem einzigen globalen Schicksal ausgeht, beschwört Amazonien eine Vielzahl möglicher Zukünfte herauf, die aktiv gestaltet werden.
Ein Dialog auf Augenhöhe
Ein zentrales Anliegen der Kuratoren ist es, einen horizontalen Dialog zwischen indigenen und westlichen Gesellschaften zu eröffnen. Lange Zeit wurde über diese Völker gesprochen und für sie entschieden; nun präsentieren sie ihre eigene intellektuelle und künstlerische Produktion, die oft eng mit zeitgenössischen globalen Fragen verknüpft ist.
„Amazônia. Indigene Welten“ zeigt die Schönheit und den Reichtum dieses Kulturraums jenseits der üblichen Katastrophenmeldungen und lädt dazu ein, von den indigenen Philosophien zu lernen.
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