documenta 16 in Kassel: Naomi Beckwith erweitert kuratorisches Team um vier internationale Kunstexperten

Die documenta 16 in Kassel nimmt weiter Gestalt an: Die Künstlerische Leiterin Naomi Beckwith hat vier zusätzliche Mitglieder ihres kuratorischen Teams bekannt gegeben. Der Komponist und Pulitzer-Preisträger Raven Chacon übernimmt die Funktion des Curator-at-Large. Osei Bonsu, Timea Junghaus und Noam Segal unterstützen die Ausstellung als kuratorische Beraterinnen und Berater. Gemeinsam sollen sie das künstlerische Programm der documenta 16 entwickeln, die vom 12. Juni bis zum 19. September 2027 in Kassel stattfindet.

documenta 16: Internationales Kuratorenteam wird erweitert

Das künstlerische Team der documenta 16: Romi Crawford, Mayra A. Rodríguez Castro, Xiaoyu Weng, Carla Acevedo-Yates, and Naomi Beckwith (f.l.t.r.), Kassel 2025. © documenta und Museum Fridericianum gGmbH / Foto: Nicolas Wefers

Mit der Berufung von vier weiteren Fachleuten verstärkt die documenta 16 ihre internationale und interdisziplinäre Ausrichtung. Die neuen Mitglieder bringen Erfahrungen aus der zeitgenössischen Kunst, Musik, Performance, Kunstgeschichte und technologischen Forschung mit. Ihre Perspektiven sollen in die Entwicklung des Ausstellungsprogramms einfließen. Die Künstlerische Leiterin Naomi Beckwith arbeitet dabei weiterhin mit dem bereits berufenen kuratorischen Kernteam zusammen. Ihm gehören Carla Acevedo-Yates, Romi Crawford, Mayra A. Rodríguez Castro und Xiaoyu Weng an.

Das erweiterte Team soll künstlerische Positionen unterschiedlicher geografischer und kultureller Kontexte zusammenführen. Inhaltlich beschäftigt sich die documenta 16 mit gesellschaftlichen Umbrüchen, technologischen Veränderungen und den Herausforderungen einer von ökologischer Instabilität geprägten Gegenwart. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Improvisation zu. Sie wird als künstlerische Strategie verstanden, um mit Unsicherheit umzugehen und neue Formen des gemeinsamen Handelns zu entwickeln.

Raven Chacon wird Curator-at-Large der documenta 16

Raven Chacon, Associate Curator D16 | Foto © Neal Santos

Der US-amerikanische Komponist, Performer und Installationskünstler Raven Chacon übernimmt die Funktion des Curator-at-Large. Chacon wurde in Fort Defiance auf dem Gebiet der Navajo Nation geboren. Im Jahr 2022 erhielt er als erster indigener Komponist den Pulitzer-Preis für Musik. Seine künstlerische Praxis verbindet experimentelle Musik, Klanginstallationen und Performance mit gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen. Von 2009 bis 2018 war Chacon Mitglied des Künstlerkollektivs Postcommodity. Dessen Arbeiten wurden unter anderem auf der documenta 14 präsentiert.

Zu den bekanntesten Projekten des Kollektivs gehört die rund zwei Meilen lange Land-Art-Installation „Repellent Fence“ an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Neben seiner eigenen künstlerischen Arbeit engagiert sich Chacon seit vielen Jahren für die Förderung junger indigener Komponistinnen und Komponisten. Mit seiner Berufung erhält die experimentelle Musik- und Klangkunst innerhalb des kuratorischen Teams eine wichtige Stimme.

Osei Bonsu: Internationale Kunst und afrikanische Diaspora

Osei Bonsu, Curatorial Advisor D16 | Foto © Gas Foundation

Der britisch-ghanaische Kurator, Autor und Kunsthistoriker Osei Bonsu wird die documenta 16 als kuratorischer Berater unterstützen. Bonsu ist an der Tate Modern als Jorge M. Pérez Senior Curator of International Art, Africa, and Diaspora tätig. Dort beschäftigt er sich mit internationaler Ausstellungsplanung, Sammlungsentwicklung und kunsthistorischer Forschung. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Kunst aus Afrika und der afrikanischen Diaspora.

Bonsu untersucht insbesondere postkoloniale Perspektiven auf die Kunstgeschichte und die Entwicklung globaler Modernismen. Mit seiner Forschung hinterfragt er kunsthistorische Erzählungen, die sich überwiegend an europäischen und nordamerikanischen Entwicklungen orientieren. Seine Beteiligung an der documenta 16 stärkt die Auseinandersetzung mit transnationalen Kunstgeschichten und künstlerischen Positionen aus dem Globalen Süden.

Timea Junghaus: Roma-Kunst, Migration und künstliche Intelligenz

Timea Junghaus, Curatorial Advisor D16 | Foto
© Zoltan Adam

Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Timea Junghaus bringt ihre langjährige Erfahrung in der internationalen Roma-Kunst und institutionellen Kulturarbeit in das Team ein. Sie war Gründungsdirektorin der Gallery8 – Roma Contemporary Art Space in Budapest und von 2017 bis 2025 geschäftsführende Gründungsdirektorin des European Roma Institute for Arts and Culture (ERIAC) in Berlin.

Bereits 2007 kuratierte Junghaus mit „Paradise Lost“ den ersten Roma-Pavillon auf der Biennale von Venedig. Sie gehörte außerdem zu den Initiatorinnen des Projekts RomaMoMA, das sich mit der Sichtbarkeit und institutionellen Repräsentation von Kunst der Roma beschäftigt.

Ihre Forschung und kuratorische Arbeit befassen sich mit Migration, Vertreibung, kultureller Selbstrepräsentation und gesellschaftlicher Teilhabe. Zunehmend untersucht Junghaus auch die Auswirkungen künstlicher Intelligenz und technologischer Transformationen. Damit verbindet sie Fragen kultureller Repräsentation mit den gesellschaftlichen Herausforderungen digitaler Technologien.

Noam Segal: Zeitgenössische Kunst und neue Technologien

Noam Segal, Curatorial Advisor D16 | Foto © Samantha Casolari

Die Kuratorin und Wissenschaftlerin Noam Segal ergänzt das Team mit ihrer Expertise an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft. Segal ist als LG Electronics Associate Curator am Solomon R. Guggenheim Museum in New York tätig. Dort verantwortet sie unter anderem das Auswahlverfahren für den LG Guggenheim Award. Zuvor arbeitete Segal in der kuratorischen Forschung an der School of Visual Arts und war Gastwissenschaftlerin an der Tisch School of the Arts der New York University.

Ihre wissenschaftliche und kuratorische Tätigkeit beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen technologischer Entwicklungen und deren Bedeutung für die zeitgenössische Kunst. Sie hat mit internationalen Kunstinstitutionen und Veranstaltungen zusammengearbeitet, darunter dem Palais de Tokyo in Paris, Performa NYC, der Gwangju Biennale und der Berlin Biennale. Bei der documenta 16 dürfte ihre Expertise insbesondere für die Auseinandersetzung mit digitalen Medien, künstlicher Intelligenz und technologischen Zukunftsfragen relevant werden.

Naomi Beckwith setzt auf Zusammenarbeit und Improvisation

Mit dem erweiterten Team verfolgt Naomi Beckwith einen kollaborativen Ansatz. Die unterschiedlichen fachlichen Hintergründe der Beteiligten sollen nicht nur das Spektrum künstlerischer Positionen erweitern, sondern auch neue Formen der Zusammenarbeit ermöglichen. Beckwith betont, dass sie sich auf die Kooperation mit Persönlichkeiten freue, deren Überzeugungen und Werte ebenso ausgeprägt seien wie ihr Engagement für gemeinschaftliche Arbeitsweisen.

Die documenta 16 versteht Improvisation dabei als Möglichkeit, auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren, ohne bereits festgelegte Antworten vorauszusetzen. Experimentelle Kunstformen und kollektive Lernprozesse sollen Räume eröffnen, in denen unterschiedliche Erfahrungen und Wissensformen aufeinandertreffen.

Kunst, Technologie und ökologische Krisen als Themen der documenta 16

Die kommende documenta beschäftigt sich mit einer Gegenwart, die von politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Veränderungen geprägt ist. Im Mittelpunkt stehen künstlerische Strategien, die neue Perspektiven auf Unsicherheit und Transformation eröffnen. Dazu gehören Fragen nach den Möglichkeiten und Risiken gegenwärtiger Technologien ebenso wie die Auswirkungen globaler Krisen auf das Zusammenleben.

Die documenta 16 will Künstlerinnen und Künstler vorstellen, die sich mit diesen Entwicklungen auseinandersetzen und alternative Formen des Denkens, Handelns und Zusammenlebens erproben. Dabei sollen transkultureller Dialog, experimentelle Arbeitsweisen und gemeinsame Erfahrungen eine zentrale Rolle spielen.

documenta 16 in Kassel: Ausstellung vom 12. Juni bis 19. September 2027

Die documenta zählt zu den international bedeutendsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Seit ihrer Gründung im Jahr 1955 findet sie traditionell alle fünf Jahre in Kassel statt. Die 16. Ausgabe wird vom 12. Juni bis zum 19. September 2027 veranstaltet.

Mit der Erweiterung des kuratorischen Teams konkretisieren sich nun die personellen und inhaltlichen Grundlagen der kommenden Ausstellung. Welche Künstlerinnen und Künstler teilnehmen und wie die einzelnen Ausstellungsorte bespielt werden, bleibt weiteren Ankündigungen vorbehalten. Fest steht bereits, dass die documenta 16 mit ihrem internationalen Team auf eine Verbindung unterschiedlicher künstlerischer Disziplinen, kultureller Perspektiven und gesellschaftlicher Fragestellungen setzt.

Mehr unter: www.documentasixteen.com

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