Mit seinen sinnlichen Figuren, raffinierten Lichtwirkungen und ausdrucksstarken Bildkompositionen zählt Antonio Allegri, genannt Correggio (um 1489–1534), zu den herausragenden Künstlern der italienischen Renaissance. Seine religiösen Gemälde und profan-erotischen Darstellungen verbinden technische Meisterschaft mit einer außergewöhnlichen Fähigkeit, menschliche Gefühle sichtbar zu machen.
Große Retrospektive würdigt einen Meister der italienischen Renaissance
Die Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden widmet dem Künstler mit der Ausstellung „Berührend menschlich. Correggio“ eine umfassende Retrospektive. Anlass ist der Abschluss der vierjährigen Restaurierung seines Gemäldes Madonna des heiligen Sebastian. Die Schau präsentiert rund ein Drittel von Correggios malerischem Gesamtwerk, zahlreiche Zeichnungen sowie Werke von Zeitgenossen und späteren Künstlern. Außerhalb Italiens ist es die weltweit erste Retrospektive, die seinem Gesamtwerk gewidmet ist.
Correggio: Licht, Schatten und die Kunst der Gefühle
Correggios Gemälde zeichnen sich durch den gekonnten Einsatz von Licht und Schatten sowie durch die lebendige Anmut und Sinnlichkeit seiner Figuren aus. Seine Bildsprache verbindet zarte Übergänge mit dynamischer Bewegung und verleiht selbst religiösen Szenen eine unmittelbare menschliche Präsenz.
Ob Heilige, biblische Figuren oder antike Gottheiten – Correggio gestaltet seine Motive nicht als unnahbare Ideale. Er zeigt sie mit Gefühlen, körperlicher Nähe und individuellen Ausdrucksformen. Das Göttliche erhält dadurch ein menschliches Antlitz, das auch heutige Betrachterinnen und Betrachter berühren kann.
Diese besondere Verbindung von Emotionalität und künstlerischer Virtuosität bildet den roten Faden der Dresdner Ausstellung.
Von der „Heiligen Nacht“ bis zur „Madonna des heiligen Sebastian“
Die Ausstellung vereint bedeutende Werke aus der eigenen Sammlung mit internationalen Leihgaben. Zu den Höhepunkten zählen Correggios berühmte Heilige Nacht und die restaurierte Madonna des heiligen Sebastian.
Ergänzt werden die Gemälde durch herausragende Leihgaben aus renommierten Sammlungen, darunter der Louvre in Paris, der Prado in Madrid, die Uffizien in Florenz und die National Gallery in London. Zahlreiche Zeichnungen ermöglichen darüber hinaus Einblicke in Correggios künstlerische Arbeitsweise und seine Entwicklung als Maler.
Die Gegenüberstellung mit Werken seiner Zeitgenossen und Nachfolger macht deutlich, wie weitreichend seine Bildideen waren und wie sie die europäische Kunstgeschichte beeinflussten.
Ein Künstler mit großer Wirkungsgeschichte
Correggio arbeitete vor allem in Parma, Modena und deren Umgebung. Obwohl er heute einem breiteren Publikum möglicherweise weniger bekannt ist als Leonardo da Vinci, Raffael oder Michelangelo, gehört er zu den prägenden Persönlichkeiten der Renaissance.
Seine Wirkung reicht weit über seine eigene Lebenszeit hinaus. Künstler wie Parmigianino, Peter Paul Rubens und Anton Raphael Mengs griffen Aspekte seiner Bildsprache auf und entwickelten sie weiter. Besonders seine bewegten Kompositionen, die illusionistische Raumgestaltung und die emotionale Intensität seiner Figuren hinterließen nachhaltige Spuren.
Die Dresdner Retrospektive eröffnet die Möglichkeit, diese künstlerischen Einflüsse nachzuvollziehen und Correggios Bedeutung im Kontext der europäischen Malerei neu zu entdecken.
Restaurierung eröffnet neue Einblicke in Correggios Kunst
Ein besonderer Anlass für die Ausstellung ist die abgeschlossene Restaurierung der Madonna des heiligen Sebastian. Die vierjährige Arbeit an dem Gemälde ermöglicht es, das Werk erneut in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken und seine künstlerischen Qualitäten differenzierter wahrzunehmen.
Zugleich steht die Restaurierung beispielhaft für die Bedeutung konservatorischer Forschung: Sie bewahrt bedeutende Kunstwerke und schafft neue Voraussetzungen für ihre wissenschaftliche Untersuchung und öffentliche Präsentation.
Das Göttliche mit menschlichem Antlitz
„Berührend menschlich“ beschreibt nicht nur die emotionale Wirkung von Correggios Gemälden, sondern auch den zentralen Gedanken der Ausstellung. Seine Figuren wirken lebendig, nahbar und voller Empfindung. In der Verbindung von religiöser Bildtradition, sinnlicher Körperlichkeit und psychologischem Ausdruck entwickelte der Maler eine unverwechselbare künstlerische Sprache.
Die Retrospektive in der Gemäldegalerie Alte Meister lädt dazu ein, einen bedeutenden Renaissance-Künstler neu zu entdecken – und zu erleben, wie aus meisterhaft komponierten Bildern Darstellungen werden, die über Jahrhunderte hinweg unmittelbar ansprechen.
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