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Lucian Scherman Lecture im Museum fünf Kontinente mit Prof. Dr. Monica Juneja, Universität Heidelberg

8. Oktober | 18:00

Körper, Gefühl und Ökologie im Zeitalter vor dem Anthropozän

Wie haben Menschen vergangener Epochen ihre Beziehung zur Natur verstanden? Und was können Kunstwerke über die Beziehungen zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen und ihrer Umwelt erzählen?

Diesen Fragen widmet sich Prof. Dr. Monica Juneja in der Lucian Scherman Lecture im Museum Fünf Kontinente. Unter dem Titel „Der Jäger und das Eichhörnchen. Körper, Gefühl und Ökologie im Zeitalter vor dem Anthropozän“ untersucht die Kunsthistorikerin, wie vormoderne Gesellschaften mit der Fragilität und Unberechenbarkeit ihrer Umwelt umgingen.

Kunst als Archiv ökologischer Erfahrungen

Während zeitgenössische Kunst häufig auf die ökologischen Krisen der Gegenwart aufmerksam macht, richtet der Vortrag den Blick zurück auf vormoderne Kunst und Bildwelten.

Solche Werke können als eine Art Archiv von Erfahrungen mit ökologischer Fragilität gelesen werden. Dabei geht es nicht darum, vergangene Gesellschaften romantisch zu verklären. Vielmehr fragt Monica Juneja danach, wie Menschen mit einer instabilen und unvorhersehbaren Biosphäre lebten, bevor moderne Vorstellungen vom Verhältnis zwischen Mensch und Natur entstanden.

Mensch und Natur neu betrachtet

Welche Rolle spielte Kunst dabei, Natur zugleich als Objekt der Verehrung, der Bedrohung und des Vergnügens darzustellen?

Bilder und Objekte erzählen häufig vordergründig von Göttern und Menschen, von Liebe und Hingabe oder von religiösen Geschichten. Doch unter dieser Oberfläche lassen sich auch Beziehungen zu Pflanzen, Bäumen, Tieren, Felsen und Landschaften erkennen.

Der Vortrag lädt dazu ein, diese Verbindungen neu zu betrachten und die Beziehung zwischen menschlicher und nicht-menschlicher Welt in historischen Kunstwerken sichtbar zu machen.

Was können wir aus vormoderner Kunst lernen?

Ein besonderer Ausgangspunkt der Lecture ist die Frage, wie heutige Wissenschaftler in historische Bilder und Objekte „eintauchen“ können, um darin eine ökologische Imagination zu erschließen.

Dabei steht ein Verständnis von Kunst im Mittelpunkt, in dem der Mensch nicht als alleiniger Akteur erscheint. Vielmehr entsteht ein Werk im Zusammenspiel zahlreicher menschlicher und nicht-menschlicher Akteure.

Diese Perspektive eröffnet einen neuen Blick auf die Kunstgeschichte und auf die Frage, wie Gesellschaften ihre Umwelt wahrgenommen, gestaltet und interpretiert haben.

Bezug zur Ausstellung „Krishna. Religion, Kunst und Popkultur“

Der Vortrag knüpft unter anderem an die aktuelle Sonderausstellung „Krishna. Religion, Kunst und Popkultur“ im Museum Fünf Kontinente an.

Anhand ausgewählter Bildwelten untersucht Monica Juneja den Zusammenhang zwischen künstlerischer Produktion und den Alltagserfahrungen ihrer Schöpfer. Dabei geht es um die wechselhaften Beziehungen zwischen den Menschen und den sie umgebenden menschlichen und nicht-menschlichen Welten.

Die Ausstellung bietet damit einen konkreten Ausgangspunkt, um über Kunst, Religion, Ökologie und gesellschaftliche Vorstellungen von Natur nachzudenken.

Prof. Dr. Monica Juneja

Prof. Dr. Monica Juneja ist Senior Professorin für Globale Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg. Ihre Forschung beschäftigt sich unter anderem mit transkulturellen Perspektiven auf Kunstgeschichte und der Frage, wie Kunstgeschichte global gedacht und geschrieben werden kann.

Ihr jüngstes Buch „Can Art History be Made Global? Meditations from the Periphery“ erschien 2023 bei De Gruyter und wurde mit dem Opus-Magnum-Preis der VolkswagenStiftung ausgezeichnet.

Juneja ist außerdem Preisträgerin des Meyer-Struckmann-Preises für herausragende Leistungen in den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie des Distinguished Teaching of Art History Award 2024 der CAA.

Globale Kunstgeschichte und transkulturelle Forschung

Monica Juneja ist Herausgeberin der Reihe „Visual and Media Histories“ bei Routledge und Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Redaktionsbeiräte, darunter für „Ding, Materialität, Geschichte“, „Ästhetische Praxis“ und „History of Humanities“.

Zudem ist sie Mitherausgeberin des Journal of Transcultural Studies und Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Beiräte, unter anderem des Tate-Hyundai Research Centre in London, des Exzellenzclusters „Eurasian Transformations“ an der Universität Wien, des Max-Weber-Forums in Delhi und des Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste.

Kunstgeschichte im Zeichen ökologischer Fragen

Die Lucian Scherman Lecture verbindet damit globale Kunstgeschichte, Ökologie und die Geschichte menschlicher Naturvorstellungen.

Der Blick in die vormoderne Vergangenheit zeigt, dass die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt keineswegs nur ein Thema der Gegenwart ist. Kunstwerke können vielmehr sichtbar machen, wie Menschen zu unterschiedlichen Zeiten mit Tieren, Pflanzen, Landschaften und den Kräften ihrer Umwelt verbunden waren – und welche Gefühle, Konflikte und Vorstellungen daraus entstanden.

Bildnachweis für das Porträt im YouTube Startbild: © Anna Echtenacher

Mehr unter: www.museum-fuenf-kontinente.de