
Geraubte Kulturgüter: Vortrag über polnische Museen unter deutscher Besatzung 1939–1945
9. Juli | 18:00

550.000 geraubte Objekte, bis heute nicht aufgearbeitet – ein Vortrag des Pilecki-Instituts Berlin beleuchtet den NS-Kunstraub in Polen und die aktuellen Forschungsfragen zur Provenienz.
„Die deutschen Besatzer raubten auch in großem Umfang Kunstwerke aus Polen. Dieser Diebstahl, der rund 550.000 Objekte umfasst, wurde bis heute nie aufgearbeitet.” Mit diesen Worten beschreibt Hanna Radziejowska, Leiterin des Pilecki-Instituts Berlin, in einem aktuellen Spiegel-Interview das Ausmaß eines Verbrechens, das in der deutschen Erinnerungskultur noch immer kaum präsent ist.
Das Pilecki-Institut Berlin widmet sich diesem blinden Fleck mit einem Vortrag von Prof. Dr. habil. Piotr Majewski von der Universität Warschau. Unter dem Titel „Polnische Museen und Kulturgüter während der Besatzung (Generalgouvernement 1939–1945) – Aktuelle Forschungsfragen” beleuchtet er die Lage der polnischen Museen und Kulturgüter unter der deutschen Besatzung – systematisch, quellenbasiert und mit Blick auf offene Forschungsfragen.
Beschlagnahmung, Untergrund, Exil
Der Vortrag gliedert sich in drei thematische Schwerpunkte: die Situation der Museen und Kulturgüter im Jahr 1939 – einschließlich statistischer Daten und Kriegsvorbereitungen –, die Besatzungsaufsicht mit ihren rechtlichen Regelungen, Organisationsstrukturen und Beschlagnahmungsmechanismen sowie die Aktivitäten polnischer Untergrund- und Exilbehörden, die trotz Besatzung Verluste erfassten und Rückgaben vorbereiteten. Ein weiterer Bestandteil ist die kritische Erörterung des aktuellen Forschungsstands und die Formulierung neuer Forschungsansätze.
Kunst und Kultur bildeten unter totalitären Regimen keinen neutralen Raum – sie wurden vereinnahmt, umgedeutet und als Instrument ideologischer Machtausübung missbraucht. NS-Dienststellen, Sonderstäbe und Rauborganisationen beschlagnahmten Kunstwerke aus besetzten Ländern und kategorisierten sie als vermeintlich deutsches Kulturgut um. Die Aufarbeitung dieses Unrechts ist bis heute unvollständig.
Die Moderation übernimmt Dr. Elisabeth Katzy, Kunsthistorikerin und Leiterin der Abteilung Provenienzforschung im Pilecki-Institut Berlin.
