Preußen und die Demokratie: Tagung fragt nach dem monarchischen Erbe im heutigen Deutschland

Rekonstruierte Schlösser, wiederbegrabene Könige, Hohenzollernstreit: Wie viel Preußen steckt im demokratischen Deutschland – und was bedeutet das? Eine Tagung in Potsdam geht dieser unbequemen Frage auf den Grund.

Mit dem Wiederaufbau des Kirchturms der Garnisonkirche Potsdam und den rekonstruierten Fassaden des Berliner Schlosses hat das wiedervereinte Deutschland zwei der bedeutendsten Bausymbole der preußisch-deutschen Monarchie neu erstehen lassen. Was das für eine Demokratie bedeutet, die sich auf vordemokratische Symbolbauten bezieht, ist die Leitfrage einer Tagung des Lernorts Garnisonkirche Potsdam.

Die Veranstaltung bildet den Abschluss einer dreiteiligen Reihe zur historischen Einheit von Thron, Altar und Militär – jener Trias, die die Garnisonkirche einst verkörperte. Im Mittelpunkt steht diesmal die politische Dimension des Preußen-Bildes: Welche Rolle spielt das monarchische Preußen im heutigen politischen Diskurs? Und vor allem: Von welchem Preußen ist dabei eigentlich die Rede?

Von der Kulturalisierung zur Politisierung

Die Rückbesinnung auf Preußen, die seit den 1980er Jahren einsetzte, war zunächst vor allem kulturell geprägt. Doch die politische Dimension war nie verschwunden – sie trat nur vorübergehend in den Hintergrund. Seit der deutschen Wiedervereinigung meldet sie sich mit wachsender Deutlichkeit zurück: Die Umbettung Friedrichs des Großen im Jahr 1991, Debatten um ein mögliches Bundesland Brandenburg, der Hohenzollernstreit um Kunst- und Vermögensrückgaben sowie das Phänomen der Reichsbürger sind Zeichen dafür, dass monarchische Vorstellungen in der Gegenwart weiter wirken – teils subtil, teils offen.

Dabei ist das Phänomen kein rein deutsches. Für die meisten heutigen Demokratien gilt, dass ihnen Monarchien vorausgingen, die grundlegend für die Nationenbildung waren. Doch die Frage, wie ein demokratisches Gemeinwesen mit diesem Erbe umgeht – ob es monarchische Monumente zur Verkörperung eines nationalen Bewusstseins macht –, stellt sich nirgendwo drängender als dort, wo die Symbole buchstäblich neu gebaut werden.

Die Tagung lädt dazu ein, diese Zusammenhänge kritisch zu durchleuchten: als historische Analyse, aber auch als demokratiepolitische Reflexion über das Verhältnis von Vergangenheit, Identität und Gegenwart.

Mehr unter: Gesellschaft-kultur-geschichte.de/brandenburg-museum/

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