
141. Jahrestagung des Hansischen Geschichtsvereins
27. Mai | 9:00
Unter dem Titel „Macht verhandeln, Geschichte erinnern“ widmet sich die 141. Jahrestagung des Hansischer Geschichtsverein vom 25. bis 28. Mai 2026 in Lübeck zentralen Fragen der hansischen Macht- und Erinnerungsgeschichte. Anlass ist das 800-jährige Jubiläum des Reichsfreiheitsbriefs von 1226, der Lübeck zu einer autonomen Reichsstadt machte und als Schlüsselmoment für die Entwicklung der Hanse gilt.
Im Fokus der Tagung steht die Analyse, wie Macht im hansischen Raum ausgeübt, legitimiert und historisch erzählt wurde. Lübecks Reichsfreiheit – deren Ursprünge auch mit einer gefälschten Urkunde von Friedrich I. Barbarossa verknüpft sind – dient dabei als Beispiel für städtische Selbstbehauptung und politische Gestaltungskraft. Die Hanse erscheint in dieser Perspektive nicht nur als Handelsnetzwerk, sondern als komplexer Machtverbund, der ohne autonome Städte kaum denkbar gewesen wäre.
Darüber hinaus beleuchtet die Tagung die Funktion von Geschichtsschreibung als Instrument gesellschaftlicher Deutung. Hansegeschichte wird nicht allein als Rekonstruktion der Vergangenheit verstanden, sondern auch als Mittel, um politische Identitäten zu formen und bestehende Ordnungen zu legitimieren – sowohl im Mittelalter als auch in der Gegenwart.
Mit dem Europäisches Hansemuseum als Veranstaltungsort rückt zudem die Rolle kultureller Institutionen in den Blick. Diskutiert wird, wie Museen, Politik und Wissenschaft Narrative prägen, welche Perspektiven hervorgehoben oder ausgeblendet werden und wie sich daraus Deutungshoheit über Geschichte entwickelt.
Die Tagung eröffnet damit einen interdisziplinären Diskursraum, der mittelalterliche Machtstrukturen mit aktuellen Fragen der Erinnerungskultur verbindet – und zeigt, dass Geschichte stets neu interpretiert und gesellschaftlich ausgehandelt wird.
Mehr unter: www.hansischergeschichtsverein.de
