
Seyla Benhabib im Gespräch mit Dinah Riese: The 1951 Refugee Convention and the Collapse of the International Order Post 1945.
27. Mai | 19:00
Digital Lecture Series Menschenrechte als letzte Utopie. Migration und jüdische Geschichte
Das Jüdisches Museum Berlin startet mit Menschenrechte als letzte Utopie. Migration und jüdische Geschichte eine fünfteilige digitale Vorlesungs- und Gesprächsreihe zu Flucht, Migration und internationalem Menschenrechtsschutz. Der Titel greift ein Zitat des Historikers Samuel Moyn auf, der die Menschenrechte als „letzte Utopie“ unserer Zeit bezeichnete.
Im Zentrum der Reihe steht die Frage, wie seit den 1930er Jahren angesichts von Verfolgung, Vertreibung und Massenauswanderungen die Grundlagen eines internationalen Flüchtlingsrechts entstanden sind – und welche Bedeutung diese heute noch haben. Die Journalistin Dinah Riese diskutiert dazu in jeder Veranstaltung mit renommierten Wissenschaftler*innen über jüdische Fluchtgeschichte, Menschenrechtspolitik und aktuelle migrationspolitische Herausforderungen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951.
Hetty Berg betont die internationale Ausrichtung der Reihe und ihre gesellschaftliche Relevanz. Ziel sei es, die historischen und philosophischen Grundlagen heutiger Menschenrechte sichtbar zu machen und zugleich zu diskutieren, wie stark diese Errungenschaften gegenwärtig unter Druck geraten. Die Reihe wolle dazu beitragen, den Blick auf Migration zu erweitern und neue Perspektiven auf eine gerechtere Zukunft zu eröffnen.
Jede Veranstaltung beginnt mit einem Vortrag der eingeladenen Persönlichkeit, gefolgt von einem Gespräch mit Dinah Riese sowie einer Publikumsdiskussion. Alle Veranstaltungen finden auf Englisch statt, werden live gestreamt und anschließend auf dem YouTube-Kanal des JMB sowie als taz Talk veröffentlicht. Die Reihe entsteht in Kooperation mit der taz und wird von der Berthold Leibinger Stiftung unterstützt.
Die erste Lecture widmet sich der Genfer Flüchtlingskonvention. Die politische Philosophin Seyla Benhabib spricht mit Dinah Riese über die Widersprüche und Grenzen des Abkommens: den Ausschluss vieler Staaten des globalen Südens, problematische Kategorien geschützter Gruppen sowie die bürokratischen Hürden beim Nachweis von Verfolgung. Zugleich thematisiert Benhabib die aktuelle Krise des internationalen Flüchtlingsschutzes. Angesichts restriktiver Grenzpolitiken in den USA und der Europäischen Union sieht sie in der Konvention bereits frühe Anzeichen für das Scheitern einer internationalen Ordnung, die auf Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit basiert.
Seyla Benhabib zählt zu den einflussreichsten politischen Theoretikerinnen der Gegenwart. Sie lehrte unter anderem an der Yale University, der Harvard University und der The New School und forscht heute an der Columbia Law School.
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