Wie sah Uelzen vor dem verheerenden Stadtbrand von 1646 aus? Ein imposantes Stadtmodell im Museum Uelzen gibt darauf eine Antwort. Es ist nicht nur ein handwerkliches Meisterwerk, sondern auch das Ergebnis einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit zwischen Schule, Kunst und Heimatgeschichte.
Wer das Museum Uelzen besucht, kommt an ihm nicht vorbei: dem rund fünf Meter großen Stadtmodell, das die Hansestadt an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit zeigt. Hans Lepel, ehemaliger Leiter des Lessing-Gymnasiums und selbst am Bau beteiligt, gewährt im Gespräch spannende Einblicke in die Entstehung dieses Exponats.
Von Schülerhand erschaffen
Das Modell wurde 1970 anlässlich der 700-Jahr-Feier der Stadt Uelzen feierlich übergeben. Die Entstehungsgeschichte ist jedoch viel älter: Über zehn Jahre lang arbeiteten Schüler der damaligen städtischen Oberschule für Jungen (heute Herzog-Ernst-Gymnasium) unter der Leitung des bekannten Uelzener Künstlers Walter Schrammen an dem Werk. „Wir durften die Holzblöcke schleifen und die Dächer bearbeiten“, erinnert sich Lepel an seine eigene Schulzeit um 1960.
Idealisiertes Abbild nach Merian
Als Vorlage für das Modell diente kein Bauplan, sondern ein berühmter Kupferstich von Matthias Merian aus dem Jahr 1654. Wichtig dabei: Das Modell zeigt Uelzen im „idealisierten“ Zustand vor den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges und dem großen Brand von 1646. Während die Parzellen und Straßenzüge auf historischen Katastern beruhen, sind die einzelnen Häuser eher typisiert dargestellt.
Was das Modell verrät: Tore, Mauern und die Pest
Das Modell macht das historische Stadtbild greifbar:
- Verschwundene Tore: Man erkennt das Lüneburger Tor und das Verser Tor. Letzteres ist heute nur noch als Begriff im Stadtbild präsent, im Modell jedoch als mächtiges Bauwerk sichtbar.
- Stadtbefestigung: Die Stadtmauer mit ihren zahlreichen Türmen, von denen heute kaum noch etwas im Original zu sehen ist, umschließt das dichte Häusermeer.
- Einwohnerzahlen und Forschung: Zur Zeit der Darstellung lebten etwa 900 bis 1200 Menschen in Uelzen. Interessanterweise diente die historische Struktur der Stadt sogar der modernen Pestforschung: Der Mathematiker Dr. Wölkens fand heraus, dass sich die Pest in Handwerkervierteln mit viel Lärm (wie Schmieden) kaum ausbreitete, während sie in der Nähe von Nahrungsmitteln (Bäckereien) wütete.
Das Stadtmodell im Museum Uelzen ist somit mehr als nur ein verkleinertes Abbild; es ist ein Fenster in eine Zeit, in der Uelzen noch von Mauern umgeben war und die Ilmenau ein wichtiger Handelsweg war.
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