
Esskultur bei den Römern
19. März | 18:55
Wie speiste man im antiken Römerlager Aliso, und was passierte, wenn ein neureicher Römer zur protzigen Party lud? Das LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne lädt am Donnerstag, den 19. März 2026, zu einer Zeitreise der kulinarischen Art ein. In einem kostenlosen Vortrag lüften Dr. Josef Mühlenbrock und Marianne Gorissen die Geheimnisse der römischen Tafelkultur.
Unter dem Titel „Wenn Trimalchio zu Tisch bittet“ trifft archäologische Präzision auf die exzentrische Welt der römischen Literatur. Es ist eine Entdeckungsreise, die zeigt, dass die römische Küche weit mehr war als nur die Verpflegung marschierender Legionen.
Archäologie auf dem Teller: Von Haltern bis Pompeji
Dr. Josef Mühlenbrock, Leiter des LWL-Römermuseums in Haltern am See, nutzt modernste Fundanalysen, um den Speiseplan von vor 2.000 Jahren zu rekonstruieren.
- Legionärsalltag: Der einfache Soldat lebte primär von Getreidebrei (puls) aus Weizenmehl. Doch die Grabungen im Römerlager Aliso belegen, dass die Versorgung weitaus differenzierter war.
- Luxus im Lager: Höhere Dienstgrade mussten nicht auf kulinarische Highlights verzichten. Importierte Delikatessen und feine Keramik zeugen von einem gehobenen Lebensstil inmitten von Germanien.
- Der Blick nach Süden: Um das volle Ausmaß der römischen Dekadenz zu verstehen, zieht Mühlenbrock Vergleiche zu den Funden aus den Vesuvstädten Pompeji und Herculaneum, wo verkohlte Speisereste und prunkvolle Wandmalereien die Tafelkultur konserviert haben.
Ein literarisches Festmahl: Trimalchios Exzesse
Der Abend bietet jedoch mehr als nur trockene Fakten. Marianne Gorissen wird in originalgetreuer römischer Gewandung Passagen aus dem „Gastmahl des Trimalchio“ vortragen.
- Das Satyricon: Dieser Roman von Petronius ist die berühmteste Schilderung römischer Verschwendungssucht.
- Der Gastgeber: Trimalchio, ein ehemaliger Sklave, der zu sagenhaftem Reichtum gelangte, verkörpert den Typus des „Neureichen“, der seine Gäste mit ebenso exzentrischen wie teuren Speisen zu beeindrucken versucht.
Warum uns das heute noch angeht
Die Esskultur war im antiken Rom ein Instrument der sozialen Distinktion. Wer was aß und wie er es inszenierte, entschied über den gesellschaftlichen Rang. Der Vortrag beleuchtet die Parallelen zwischen archäologischen Realitäten und literarischer Übersteigerung – ein Muss für alle, die Geschichte mit allen Sinnen erleben wollen.
Mehr unter: www.lwl-landesmuseum-herne.de
