Essen ist weit mehr als reine Bedarfsdeckung. In einem öffentlichen Vortrag im LWL-Museum für Archäologie und Kultur analysiert die Soziologin Prof. Dr. Eva Barlösius, warum Ernährungsfragen heute als Ventil für tiefgreifende gesellschaftliche Konflikte dienen.
Das Bedürfnis nach Nahrung steht am Anfang der menschlichen Existenz – individuell wie kollektiv. Doch während die biologische Notwendigkeit unbestritten ist, stellt sich die Frage, warum moderne Gesellschaften das Thema Essen so intensiv problematisieren, skandalisieren und debattieren. Prof. Dr. Eva Barlösius von der Leibniz Universität Hannover geht dieser Dynamik auf den Grund.
Essen als Projektionsfläche für soziale Konflikte
Die Kernthese der Expertin: Die Ursachen für hitzige Ernährungsdebatten liegen oft gar nicht auf dem Teller selbst. Stattdessen werden Konflikte aus völlig anderen gesellschaftlichen Bereichen auf das Thema Essen projiziert. Probleme, die eigentlich politischer, ökonomischer oder moralischer Natur sind, werden als Ernährungsfragen artikuliert und verhandelt.
Dieser Mechanismus funktioniert deshalb so effektiv, weil die Nahrungsaufnahme eng mit grundlegenden sozialen Formen verknüpft ist. Essen ist identitätsstiftend und hochgradig symbolisch aufgeladen. Dadurch eignet es sich hervorragend als Medium, um:
- Gesellschaftliche Missstände anzuprangern,
- Moralische Überlegenheiten zu demonstrieren,
- und soziale Verbesserungen anzumahnen.
Die Expertin: Prof. Dr. Eva Barlösius
Eva Barlösius zählt zu den profiliertesten deutschen Soziologinnen auf dem Gebiet der Ernährungsforschung. Ihr Fokus liegt auf den sozialen Dimensionen des Essens und der Frage, wie Ernährungsgewohnheiten soziale Schichten und gesellschaftliche Teilhabe widerspiegeln.
Der Vortrag im LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne bietet einen wissenschaftlich fundierten Blick darauf, wie aus einer biologischen Notwendigkeit ein zentrales Schlachtfeld der modernen Debattenkultur wurde.
Mehr unter: www.lwl-landesmuseum-herne.de






