Wie lassen sich starre geometrische Strukturen und organischer Tanz vereinen? In einem neuen „Insights“-Video zur Ausstellung „Die Linie“ beleuchtet Carola Fuchs die wegweisende Zusammenarbeit zwischen der venezolanischen Tanzpionierin Sonia Sanoja und der Künstlerin Gego. Eine Spurensuche zwischen Architektur, Netzwerk und Körpererfahrung.
Die Grenze zwischen Bühne und Bildraum verschwimmt, wenn man die Arbeiten von Sonia Sanoja betrachtet. In der aktuellen Ausstellung „Die Linie“ zeigt die Heidi Horten Collection, wie die venezolanische Tänzerin das klassische Ballett hinter sich ließ, um die Linie als „Seismograf der Bewegung“ neu zu definieren.
Der Kampf mit der linearen Struktur
In ihrer Performance Cuerda, simple medida (Seil, einfaches Maß) wird ein schlichtes Seil zum zentralen Akteur. Sanoja nutzt es einerseits als architektonisches Element, um modulare Räume zu schaffen, und führt andererseits einen körperlichen Kampf mit diesen linearen Vorgaben. Die Linie ist hier kein statisches Objekt, sondern ein dynamisches System, das sich ständig neu zusammensetzt.
Die „Koreogegos“: Ein Netzwerk aus Tanz und Architektur
Ein Schlüsselmoment in Sanojas Schaffen war die Kooperation mit der deutsch-venezolanischen Architektin und Künstlerin Gertrude Goldschmidt, besser bekannt als Gego. Gego, die 1938 aus Deutschland emigrieren musste, übertrug ihre architektonischen Modelle auf den gesamten Raum.
Zusammen entwickelten sie die sogenannten „Koreogegos“:
- Raumgreifende Netzwerke: Choreografien, die aus linienförmigen Strukturen bestehen und den Körper im Raum sowohl positionieren als auch limitieren [01:23].
- Modellhafte Kunst: In Gegos Werk Tronco wird die Linie zum Netzwerk aus Einzelteilen – eine Struktur, die im Tanz als Raster für Zeit- und Körpererfahrungen dient [01:35, 02:01].
Parallelen zur internationalen Konzeptkunst
Das Video zieht zudem spannende Vergleiche zur US-amerikanischen Kunstszene. Ähnlich wie bei der Tänzerin Lucinda Childs und dem Konzeptkünstler Sol LeWitt wird das „Grid“ (Raster) zum eigentlichen Bühnenraum. Es entsteht ein ästhetischer Wettstreit zwischen der Präzision gerader Linien und den organischen Formen des menschlichen Körpers.
Mit diesen Einblicken macht die Heidi Horten Collection deutlich, dass die „Linie“ in der Moderne weit mehr war als eine bloße Zeichnung – sie war ein Instrument zur radikalen Neudefinition von Raum und Bewegung.
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