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	<title>Gehörknochen Evolution &#8211; museumsfernsehen</title>
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		<title>Kunst aus Knochen: Helen Pynor und Gail Priest erforschen Leben, Tod und Evolution im ZKM Karlsruhe</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Oct 2026 07:42:43 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Was erzählen Knochen über die Geschichte des Lebens, die Verwandtschaft zwischen Mensch und Tier und unseren Umgang mit dem Tod? Diesen Fragen widmen sich die australischen Künstlerinnen Helen Pynor und [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was erzählen Knochen über die Geschichte des Lebens, die Verwandtschaft zwischen Mensch und Tier und unseren Umgang mit dem Tod? Diesen Fragen widmen sich die australischen Künstlerinnen Helen Pynor und Gail Priest in einem Film des ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Aus den Überresten überfahrener Wildtiere entstehen filigrane Objekte aus Knochenporzellan und eine Klangkomposition, die Tierstimmen mit den Geräuschen bearbeiteter Knochen verbindet. Die künstlerische Zusammenarbeit eröffnet einen ungewöhnlichen Blick auf Evolution, Vergänglichkeit und die materiellen Verbindungen zwischen Lebewesen.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Helen Pynor und Gail Priest: Kunst zwischen Biologie, Klang und Erinnerung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Knochen bilden das tragende Gerüst vieler Lebewesen. Gleichzeitig sind sie biologische Archive, in denen sich Informationen über Ernährung, Umweltbedingungen und Lebensgeschichte ablagern können. Ihre mineralische Zusammensetzung verweist auf die Wechselwirkungen zwischen Organismen und ihrer Umwelt. Knochen enthalten insbesondere Kalzium und Phosphat, die für ihre Festigkeit und biologische Funktion entscheidend sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Künstlerin Helen Pynor und die Klangkünstlerin Gail Priest sind Knochen jedoch mehr als anatomische Strukturen. Sie werden zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Untersuchung, die naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit Fragen nach Sterblichkeit, Erinnerung und der Beziehung zwischen Menschen und anderen Lebewesen verbindet. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Von überfahrenen Wildtieren zu Kunstwerken aus Knochenporzellan</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Helen Pynor sammelt in Australien Wildtiere, die im Straßenverkehr ums Leben gekommen sind. Die Überreste bilden das Ausgangsmaterial für einen aufwendigen künstlerischen Prozess. Zunächst löst Pynor die Knochen aus den Tierkörpern. Anschließend werden sie bei hohen Temperaturen gebrannt, wie sie auch bei einer Kremation erreicht werden. Durch die Hitze verändern sich die Knochen grundlegend. Organische Bestandteile werden weitgehend entfernt, während mineralische Rückstände zurückbleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese kalzinierten Knochen verarbeitet die Künstlerin zu Knochenporzellan, einem keramischen Material, das traditionell unter Verwendung von Knochenasche hergestellt wird. Aus dem Material entstehen Nachbildungen der Gehörknochen verschiedener Wirbeltierarten. Der Herstellungsprozess verbindet handwerkliche Präzision mit einer Auseinandersetzung über die Umwandlung biologischer Materie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gehörknochen und Evolution: Was Menschen und Tiere verbindet</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wahl der Gehörknochen hat eine besondere evolutionsbiologische Bedeutung. Die Gehörknöchelchen der Säugetiere – Hammer, Amboss und Steigbügel – sind das Ergebnis einer langen Entwicklungsgeschichte. Hammer und Amboss gehen evolutionär auf Knochen zurück, die bei frühen Vorfahren der Säugetiere Teil des Kieferapparats waren. Entsprechende Strukturen sind bei anderen Wirbeltiergruppen in veränderter Funktion erhalten geblieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vögel und Reptilien besitzen dagegen in der Regel nur einen einzelnen Gehörknochen im Mittelohr, die Columella, die dem Steigbügel der Säugetiere entspricht. Diese anatomischen Zusammenhänge verdeutlichen die gemeinsame evolutionäre Herkunft der Wirbeltiere. Indem Helen Pynor Gehörknochen unterschiedlicher Arten nachbildet, macht sie solche Verwandtschaftsbeziehungen zum Gegenstand ihrer Kunst. Die Arbeiten verweisen damit auf eine Entwicklungsgeschichte, die Hunderte Millionen Jahre zurückreicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gail Priest macht Knochen und Tierstimmen hörbar</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die australische Klangkünstlerin Gail Priest erweitert die skulpturalen Arbeiten um eine akustische Dimension. Als Ausgangsmaterial verwendet sie Geräusche der kalzinierten Knochen. Aus diesen Klängen entwickelt sie mithilfe digitaler Sampling-Techniken ein xylophonartiges Instrument. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die so gewonnenen Töne kombiniert Priest mit Lautäußerungen verschiedener Tierarten. Dazu gehören unter anderem Rosakakadu, Maulwurf, Storch, Fledermaus und Viper. Die Klangkomposition verbindet damit die materielle Beschaffenheit der Knochen mit akustischen Spuren lebender Tiere. Aus den Überresten verstorbener Organismen entsteht eine neue Form künstlerischen Ausdrucks.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Knochenleitungslautsprecher: Klang wird körperlich erfahrbar</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Besonderheit der Arbeit ist die Wiedergabe über Knochenleitungslautsprecher. Anders als herkömmliche Lautsprecher übertragen solche Systeme Schwingungen über direkten Kontakt mit dem Körper. Die Vibrationen können über die Schädelknochen zum Innenohr gelangen. Dadurch entsteht eine besondere Form der Klangwahrnehmung, bei der Hören und körperliche Empfindung miteinander verbunden sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Technik greift das zentrale Motiv der künstlerischen Zusammenarbeit auf. Knochen sind hier nicht nur Material und Gegenstand der Untersuchung, sondern werden auch Teil des Wahrnehmungsprozesses. Die Verbindung von skulpturalen Objekten, Tierstimmen und körperlich übertragener Klangkunst erweitert die Auseinandersetzung mit biologischer Verwandtschaft um eine unmittelbare sinnliche Erfahrung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Rituale des Erinnerns: Kunst als Auseinandersetzung mit dem Tod</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verarbeitung der Tierkörper ist bei Helen Pynor von kleinen Ritualen des Begrabens und Erinnerns begleitet. Damit unterscheidet sich der künstlerische Prozess von einer rein technischen Materialgewinnung. Die Tiere werden nicht ausschließlich als Rohstoff betrachtet, sondern als Lebewesen, deren Tod Teil der Entstehungsgeschichte der Werke bleibt. Die rituellen Handlungen eröffnen einen Raum für Fragen nach Verantwortung, Trauer und dem Umgang mit sterblichen Überresten. Zugleich verweist die Umwandlung der Knochen in Porzellan auf einen grundlegenden Prozess: Materie verschwindet nicht einfach, sondern verändert ihre Form und ihre Eigenschaften. Pynors Arbeiten beschäftigen sich damit auch mit den Übergängen zwischen Leben, Tod und materieller Transformation.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mineralien als Archive des Lebens und der Erdgeschichte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Knochen bestehen zu einem großen Teil aus mineralischen Verbindungen, insbesondere aus Kalziumphosphat in Form von Hydroxylapatit. Ihre chemische Zusammensetzung kann Hinweise auf die Lebensbedingungen eines Organismus enthalten. In der Archäologie und Paläontologie werden beispielsweise Isotopenanalysen eingesetzt, um Informationen über Ernährungsweisen, Wanderungsbewegungen und Umweltbedingungen zu gewinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Knochen verbinden damit biologische Prozesse mit geologischen und chemischen Kreisläufen.Mineralien werden aus der Umwelt aufgenommen, in lebende Körper eingebaut und nach dem Tod wieder Teil anderer Stoffkreisläufe. Diese Verbindungen zwischen Körper und Erde bilden einen wesentlichen gedanklichen Hintergrund der künstlerischen Arbeiten. Sie hinterfragen die Vorstellung, Lebewesen seien vollständig von ihrer materiellen Umwelt getrennt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">ZKM Karlsruhe: Kunst und Wissenschaft im Dialog</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe beschäftigt sich seit seiner Gründung mit den Beziehungen zwischen Kunst, Technologie, Wissenschaft und Gesellschaft. Die Zusammenarbeit von Helen Pynor und Gail Priest fügt sich in diesen interdisziplinären Zusammenhang ein. Ihre Arbeiten verbinden bildende Kunst, Keramik, Klanggestaltung und biologische Forschung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der begleitende Film zeigt, wie aus naturwissenschaftlichen Zusammenhängen künstlerische Fragestellungen entstehen können. Dabei geht es nicht darum, wissenschaftliche Erkenntnisse lediglich zu illustrieren. Vielmehr eröffnet die Kunst eigene Zugänge zu Fragen, die auch für die Biologie, die Philosophie und die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Tod von Bedeutung sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kunst aus Knochen: Eine neue Perspektive auf Mensch, Tier und Vergänglichkeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeiten von Helen Pynor und Gail Priest machen die enge materielle und evolutionäre Verbindung zwischen Menschen und anderen Wirbeltieren erfahrbar. Aus Knochen werden Porzellanobjekte, aus Geräuschen entstehen musikalische Strukturen und aus biologischen Überresten neue Formen des Erinnerns. Die künstlerische Untersuchung verbindet damit verschiedene Zeitebenen: das Leben einzelner Tiere, die Geschichte ihrer Körper und die evolutionäre Entwicklung über Millionen von Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film des ZKM Karlsruhe lädt dazu ein, Knochen nicht allein als Überreste des Lebens zu betrachten, sondern als Zeugnisse fortdauernder Verwandlungsprozesse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interview &amp; Schnitt: Max Clausen<br>Kamera: Andy Koch &amp; Seline Herzog</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr unter: <a href="https://zkm.de" target="_blank" rel="noopener">zkm.de</a></p>
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