Der Begriff „Parapolitik“ verweist auf den Einsatz von „soft power“ im Kalten Krieg. Durch das Aufzeigen der Geschichte des CCF setzt das HKW-Projekt Picassos berühmtes Wort von der „Kunst als Lüge, die die Wahrheit erzählt“ in Beziehung zum Wirken eines Geheimdienstes, dessen „Kunst darin liegt, die Mittel zu verbergen, mit denen sie gemacht wird“.
Lene Berg
Stalin by Picasso or Portrait of Woman with Moustache
Fassaden-Banner, 2008
© Courtesy the artist

(Presseinformation) „They had stolen the great words“ („Sie stahlen die großen Worte“), schrieb Thomas Braden 1967 in einem Artikel mit dem Titel „I’m glad the CIA is ‚immoral‘“ („Ich freue mich, dass der CIA ‚unmoralisch‘ ist“). Der ehemalige Agent verteidigte darin eine Operation des Geheimdienstes mit nahezu globalen Ausmaßen. Mit der „Freiheitsoffensive“ sollte in der Nachkriegszeit der unter westlichen Intellektuellen weitverbreiteten Sympathie für die Sowjetunion der Boden entzogen werden. Geführt wurde ein Kalter Krieg um die Bedeutungshoheit, ein Kampf mit dem Ziel, die andere Seite semantisch zu delegitimieren.

Zu den von Braden beschriebenen Aktivitäten zählte der Kongress für kulturelle Freiheit (Congress for Cultural Freedom, CCF). Ins Leben gerufen wurde die Organisation von einer Gruppe von Autoren in West-Berlin, und sie sollte der Konsolidierung einer „antitotalitären“ intellektuellen Gemeinschaft dienen. Ihren zehnten Geburtstag feierte die Initiative in der soeben eröffneten Kongresshalle, dem heutigen Haus der Kulturen der Welt. Mit Niederlassungen in über dreißig Ländern subventionierte der CCF zahlreiche Kulturprogramme in Lateinamerika, Afrika und Südostasien und etablierte ein Netzwerk von Journalen, Konferenzen und Ausstellungen. Seine Mission war die Förderung einer „universellen“ Sprache der Moderne in Literatur, Kunst und Musik. 1967 wurde bekannt, dass der US-amerikanische Geheimdienst CIA den Kongress finanzierte. Damit bestätigte sich ein Verdacht, der das Projekt von Anfang begleitet hatte: Als nur bedingt autonome Organisation sollte sich der CCF im Interesse der amerikanischen Hegemonie im Kalten Krieg der Kultur für einen antikommunistischen Konsens stark machen. Die Enthüllungen ruinierten den Ruf des CCF und offenbarten die ideologischen Widersprüche und moralischen Dilemmata des Kampfes für Freiheit und Transparenz mit Mitteln, die sich selbst der demokratischen Rechenschaftspflicht entzogen.

Parapolitik: Kulturelle Freiheit und Kalter Krieg widmet sich der globalen Dimension von Kunst- und Kulturpolitik im Kalten Krieg und spezifisch dem Bedeutungswandel modernistischer Ästhetiken. Dabei werden Zusammenhänge von kunstimmanenten Entwicklungen, ideologischen Auseinandersetzungen und soziale und geopolitische Entwicklungen erkennbar. Die Ausstellung rückt das Spannungsfeld von politischer Inanspruchnahme der Kunst, ihrem Autonomiebestreben sowie ihrem kritischen Engagement in das Blickfeld und beleuchtet auch die globale Gegenwartskunst unter diesen Aspekten.

Der Begriff „Parapolitik“ verweist auf den Einsatz von „soft power“ im Kalten Krieg. Durch das Aufzeigen der Geschichte des CCF setzt das HKW-Projekt Picassos berühmtes Wort von der „Kunst als Lüge, die die Wahrheit erzählt“ in Beziehung zum Wirken eines Geheimdienstes, dessen „Kunst darin liegt, die Mittel zu verbergen, mit denen sie gemacht wird“.

Gezeigt werden Archivmaterial, Dokumente und Kunstwerke von den 1930er Jahren bis zur Gegenwart, die die ideologischen und ästhetischen Auseinandersetzungen im und mit dem Kalten Krieg antizipieren oder reflektieren. Präsentiert werden vom CCF gegründete oder phasenweise von ihm geförderte Zeitschriften wie Der Monat (Deutschland), Encounter (GB), Sasanggye (Südkorea), Quest (Indien), Africa South (Südafrika), Black Orpheus (Nigeria), Transition (Uganda / Ghana), The New African (Südafrika), Hiwar (Libanon) und Mundo Nuevo (Lateinamerika).

Mehr unter www.hkw.de/parapolitik

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