Jahresvorschau 2016 des Museums für Kunst und GewerbeMKG

20. Jan. bis 10. April 2016
Christoph Niemann. Unterm Strich
Eröffnung: 19. Jan. 2016, 19 Uhr

Für den Buchhalter steht unterm Strich die Summe – und für den Zeichner? Genau genommen befindet sich unterm Strich das Papier – ohne Papier kein Strich. In dem Freiraum zwischen dieser banalen Erkenntnis und dem gedanklichen Vergnügen, das die Striche des guten Zeichners auslösen, genießen wir die Arbeiten von Christoph Niemann. Der international renommierte Illustrator lebt – nach gut elf Jahren New York – heute in Berlin und denkt sich die Titelseiten für die schönsten Hefte der Welt aus, vom New Yorker bis zum Zeit Magazin. Christoph Niemanns Kunst ist in erster Linie Gedankenarbeit – dass sie darüber hinaus in hohem Maße gekonnt ist, sparsam und präzise kalkuliert, überraschend realisiert, das bemerkt vor allem der professionelle Blick. Der Betrachter darf sich freuen und fühlt sich unterhalten, weil er mit dem Zeichner an seiner Seite an der Vielfalt der Welt und ihrem Widersinn teilhat. Die Werkauswahl der Ausstellung Christoph Niemann. Unterm Strich im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) wurde vom Künstler selbst zusammengestellt: Es sind über 200 Cartoons und Fotos, Animationen und Drucke, Zeichnungen und Texte. Christoph Niemann wird auch direkt auf die Wand zeichnen. Die Ausstellung begleitet sein letztes Buch Abstract City. Mein Leben unterm Strich, in dem die Beiträge für das New York Times Magazine und für den dazugehörigen Blog versammelt sind. Und obendrein verleiht dieser Buchtitel dem Strich weitere Bedeutungen. Denn wenn es das Leben ist, das unterm Strich steht: Ist es dann bedroht wie von einem Fallbeil oder käuflich wie auf der Straße? Es hilft nichts, man muss selber nachsehen.

23. Jan. bis 30. April 2016
“Geniale Dilletanten” – Subkultur der 1980er-Jahre in Deutschland
Eröffnung: 22. Jan. 2016, 19 Uhr

Im Deutschland der frühen 1980er Jahre erlangt eine künstlerische Alternativszene mit lautstarkem Protest und gezielter Provokation international Aufsehen und Anerkennung. Ihre Akteure setzen nicht auf virtuoses Können, sie streben stattdessen nach Selbstorganisation im Sinne des Do-It-Yourself-Gedankens. Den Wunsch nach einem radikalen Bruch untermauern sie mit der Gründung von eigenen Plattenlabels, Magazinen, Galerien und Clubs sowie dem unabhängigen Produzieren von Platten und Kassetten. Besonders in den Kunsthochschulen entwickelt sich eine Dynamik, die geprägt ist durch genreübergreifendes Experimentieren. Bands wie „Deutsch Amerikanische Freundschaft (D.A.F.)“, „Palais Schaumburg“ oder „Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K.)“ setzen sich mit deutschen Namen und Songtexten bewusst vom englischsprachigen Mainstream ab. 1981 findet im Berliner Tempodrom ein Festival statt, dessen absichtlich falsch geschriebener Titel zum Synonym für diese deutsche Subkultur der frühen 1980er Jahre wird: „Geniale Dilletanten“. Die Ausstellung des Goethe Instituts im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) stellt die Protagonisten und Treffpunkte der künstlerischen Szenen in verschiedenen impulsgebenden Städten West- und Ostdeutschlands vor. Im Mittelpunkt stehen acht Musikbands sowie Künstler, Filmemacher und Designer aus den frühen 1980er Jahren. „Geniale Dilletanten“ gibt Einblick in die vielfältigen Verbindungen
der Akteure untereinander und erzählt, wie sich die gleichzeitig stattfindenden Entwicklungen in Kunst, Film, Mode und Design gegenseitig beeinflusst haben. Die Ausstellung zeigt insgesamt über 250 Exponate, darunter Gemälde, Fotografien, Kunst-, Design- und Modeobjekte, Schallplatten, Musikkassetten, Soundstationen, Musik, Magazine und Fanzines, Plakate, Bandfilme und einen eigens produzierten Interviewfilm. Ein Kurzfilmprogramm, zusammengestellt von dem Künstler Florian Wüst, zeigt experimentellen Arbeiten von Yana Yo, Helge Leiberg, Brigitte Bühler & Dieter Hormel, Norbert Meissner, Christoph Doering und Ramona Welsh. „Geniale Dilletanten“, als Tournee-Ausstellung vom Goethe-Institut konzipiert, wird für die Präsentation im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg maßgeblich erweitert. Kuratorin der Ausstellung ist Mathilde Weh vom Bereich Bildende Kunst des Goethe-Instituts. Idee und Konzept stammen von Mathilde Weh und Leonhard Emmerling. Die Hamburger Station wurde kuratiert von Dennis Conrad.

4. und 5. Februar 2016
Symposium: Raubkunst? Silber aus ehemals jüdischem Besitz – wie gehen Museen damit um?

Die Silberstände aus ehemals jüdischem Besitz bilden einen Themenschwerpunkt in der Ausstellung Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des MKG, die seit 2014 zu sehen ist und auf großes Interesse stößt. Seit 1960 verwahrt das MKG rund 3.000 Silberobjekte, die infolge einer  Beschlagnahmeaktion während der NS-Zeit in die Sammlung des Museums gelangten. Dass dieses Silber aufgrund seiner Geschichte kein herkömmliches Museumsgut sein kann, steht außer Frage. Bis heute wurde jedoch kein angemessener Umgang damit gefunden. Als Kultureinrichtung in öffentlichen Auftrag möchte das MKG sie nicht im Depot verstecken, kann die Objekte aber nicht als normale Exponate ausstellen. Doch was soll langfristig aus ihnen werden? Wie kann die museale Arbeit mit einem Kulturgut aussehen, das so untrennbar mit dem jüdischen Leben und der Verfolgung verbunden ist, das die Museen aber zu-gleich in der Pflicht nimmt, es jeder Zeit zurückzugeben, wenn Ansprüche geltend gemacht werden? Über diese Fragen möchte sich das MKG im Rahmen eines Symposiums mit Wissenschaftlern aus Museen und historischen Forschungseinrichtungen sowie mit Vertretern jüdischer Institutionen austauschen. Das Publikum wird in Form von Work-shops eingebunden. Das zweitägige Symposium, greift zwei zentrale Aspekte auf: Die aktuellen Forschungen zum Silber aus ehemals jüdischem Besitz in Hamburg, Berlin, München und Wien und den Blick über die rein kunsthistorische-museale Ebene hinaus. In einer abschließenden Podiumsdiskussion sollen Ideen entwickelt werden, wie mit einem Museumsgut umgegangen werden kann und soll, das untrennbar mit dem Holocaust in Deutschland verknüpft ist. Das Symposium findet statt in Kooperation mit der ZEITStiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

Mit freundlicher Unterstützung der Kulturstiftung der Länder. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung erforderlich. Informationen unter mkg-hamburg.de

13. Mai bis 27. August 2016
Sneaker. Design für schnelle Füße
Eröffnung: 12. Mai 2016, 19 Uhr

Sneaker, von to sneak (engl., schleichen) … Still, heimlich und leise haben sich Turnschuhe vom zweckgebundenen Sportschuh in die Mitte unserer Gesellschaft geschlichen. Sie sind zu einem  entscheidenden Accessoire des modernen Großstadtmenschen geworden. Und das rund um die Welt, globaler denn je. Etwa ein Dutzend große Marken – und hunderte von kleinen – streiten sich um die Gunst der Käufer, und dies immer weniger mit Preiskämpfen, sondern vielmehr mit coolem Image und hippem Design. Natürlich gibt es weiterhin Schuhe für die einzelnen Sportarten, doch wichtiger sind mittlerweile die Straßenschuhe, die in Serien erscheinen, Eigennamen erhalten und oft nur in limitierten Editionen auf den  Markt gebracht werden. Turnschuhe werden zum Sammlerstück und zur gesuchten Rarität. Und sie werden mit großem Aufwand gestaltet und beworben. Darum geht es in der Ausstellung. Die Ausstellung Sneaker.  Design für schnelle Füße versammelt rund 100 Plakate und andere Promotion-Drucke aus aller Welt,  entworfen von jungen Designern und verbreitet in der Regel von großen, oft international agierenden  Agenturen. Dazu werden Privatsammler von Schuhen eingeladen, ausgewählte Preziosen ihrer Sammlung zu zeigen. Es geht dabei nicht nur um die Schuhe, um ihre Gestaltung und ihre Hightech-Materialien, sondern auch um ihre Wertsteigerung jenseits der Herstellungskosten. Sammler zahlen Summen weit über dem  tatsächlichen Verkaufspreis. Die Ausstellung zeigt auch, wie es den Sammler gelingt, die Schuhe zu  erwerben und was gerade diese Exemplare so besonders macht.
8. Juni bis 25. September 2016
Hokusai x Manga. Japanische Popkultur seit 1680
Eröffnung: 7. Juni, 19 Uhr

In einer umfangreichen Ausstellung zeichnet das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) die vielfältigen Verbindungen zwischen historischer und zeitgenössischer Populärkultur in Japan nach. Das MKG besitzt eine international einmalige Sammlung von Farbholzschnitten und Holzschnittbüchern der bedeutendsten ukiyo-e-Künstler wie Utagawa Kuniyoshi (1797-1861) oder Katsushika Hokusai (1760-1849). Die Ausstellung schlägt den Bogen von diesen hochkarätigen Holzschnitten und historischen Druckerzeugnissen aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert zu den visuellen Massenmedien des modernen Japan: Manga (Comics), Anime und Computerspiele, begleitet durch aktive Fan-Szenen und Aneignungspraktiken wie Cosplay. Neben der Darstellung der jeweils eigenständigen Stilelemente untersucht Hokusai x Manga. Japanische Popkultur seit 1680 die zeitübergreifenden Anknüpfungspunkte und Entwicklungslinien. So zeichnet sich die zeitgenössische Popkultur durch eine ausgeprägte Pluralisierung der Themen, Motive und Genres aus, folgt aber auch den traditionellen japanischen Erzählstoffen, wie etwa den Samurai oder der übernatürlichen Welt der Gespenster und Monster (yōkai), die immer wieder aufgegriffen und neu interpretiert werden. Neben diesen inhaltlich-motivischen Gemeinsamkeiten finden sich auch Parallelen im visuellen Repertoire, in der stilistischen Ausformung, in der Verknüpfung von Schrift und Bild und in den Formen der Serialisierung. Auch die Produktionsweisen mit ihren arbeitsteiligen Prozessen und Vertriebsstrukturen sind vergleichbar und an den erfolgten technischen Innovationen ablesbar. Die Ausstellung zeigt historische Holzschnitte und Druckerzeugnisse, Skizzen, Tuschezeichnungen, deutsche und japanische Manga-Bücher, hochwertige Reproduktionen und Originalzeichnungen von Manga, sowie Ausschnitte aus Anime-Filmen, Videogames und Merchandise-Artikel aus dem Manga-Anime-Universum. Die Ausstellung wird gefördert aus den Mitteln des Sonderausstellungsfonds der Freien und Hansestadt Hamburg.

Ende Juli bis Oktober 2016
RE/VISION. Fotografie im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts öffnet sich das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) als erstes Museum in Deutschland dem Medium der Fotografie und macht es zu einem Sammlungsschwerpunkt. Damit spielt das MKG eine Vorreiterrolle: Fotografien werden als eigenständiges Medium angekauft und ab 1911 in Ausstellungen präsentiert. RE/VISION. Fotografie im MKG gibt erstmals in einer Übersichtsausstellung einen breiten Einblick in den einzigartigen Bestand der Sammlung Fotografie und neue Medien, der von der Frühzeit der Fotografie bis zur Gegenwart reicht und heute rund 75.000 Exponate umfasst. Die Ausstellung widmet sich den Funktionen des Mediums, wie dem Porträt, sei es zu Zwecken der Repräsentation oder als Gesellschaftsbild, der dienenden Dokumentation von Kulturdenkmälern oder Kunstwerken und den Autonomiebestrebungen des Mediums, das sich als Kunstwerk begreift. In fünf Kapiteln nähert sie sich der Fotografie aus verschiedenen Perspektiven: Die Objekte werden als Kunstwerke eines bestimmten Bildautors, als Gebrauchsobjekte und in ihrer Materialität als Objekte betrachtet. Zur Ausstellung entsteht ein
umfangreicher Bestandskatalog.

August bis November 2016
sports|no sports

Fußballtrainer tragen Maßanzug. Sneakers und Jogginghosen sind bürotauglich. Stars zeigen sich in Shorts auf dem roten Teppich und Fidel Castro empfängt den Papst im Trainingsanzug. Wo vor wenigen Jahren noch festgelegte Dresscodes herrschten, scheint heute „anything goes“ zu gelten. Die Ausstellung sports|no sports im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) befasst sich mit der Wechselwirkung von Mode und Sportbekleidung im Verlauf der letzten 120 Jahre und richtet den Blick auf gesellschaftliche, formale und ästhetische Zusammenhänge. Erstmals in Deutschland widmet sich eine Ausstellung umfassend diesen beiden Phänomenen, die sowohl der Integration als auch der Individualisierung des Einzelnen in der Gesellschaft dienen und gesellschaftliche Strukturen unmittelbar widerspiegeln. Mit rund 150 Kleidungsstücken, Grafiken, Plakaten, Fotografien und Filmen beleuchtet sie die Entwicklung von Mode, Sportbekleidung und wechselnden Körperidealen sowie den Einfluss der Textiltechnologie auf die Kleidung. Die Ausstellung verfolgt den Wandel der Bekleidungsformen und -normen durch Sport, erzählt von der Abschaffung des Korsetts, vom Siegeszug des Trikots und der Hose und von der zunehmenden Androgynisierung der Mode. Damit einher geht auch die Perfektionierung des Körpers vom Schnürleib über den vitalen Sport-körper bis zum Body-Shaping. Neben tatsächlicher Sportbekleidung (sports), dem Gegenteil (no sports) und künstlerischen Standpunkten stellt die Ausstellung auch die modischen Hybrid-Formen (sports?) vor: Sportlabels wie Adi-das, Kooperationen von Designern mit Sportswear-Labels, trendsetzende Sportler wie David Beckham, Sportler als Modeunternehmer wie Willy Bogner oder René Lacoste, Sportswear als persönliches Statement etwa bei Joschka Fischer oder Jonathan Meese. Die Ausstellung schöpft aus der umfangreichen Mode-Sammlung des MKG und wird ergänzt durch internationale Leihgaben. Die Ausstellung wird ermöglicht mit freundlicher Unterstützung der Karin Stilke Stiftung.

Oktober 2016 bis 2018
Mobile Welten. Zur Migration der Dinge in transkulturellen Gesellschaften

Unzählige Dinge wandern über den Erdball – in Form von Handelsware, als virtuelle Gestalten auf Computerbildschirmen und im Gepäck von Touristen oder Migranten. Diese Bewegung von Objekten, Menschen und Ideen sowie die damit einhergehende Vermischung von Kulturen im Einwanderungsland Deutschland sind Gegenstand des Forschungsvorhabens Mobile Welten. Zur Migration der Dinge in transkulturellen Gesellschaften. Gemeinsam mit der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder, der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main und der Erich-Kästner- Schule in Hamburg-Farmsen untersucht das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) die komplexen Verflechtungen von Objekt- und Lebenswelten durch Migration in Vergangenheit und Gegenwart. Unter der kuratorischen Leitung von Roger M. Buergel erforscht das MKG eigene Objekte auf ihre Transkulturalität – wie beispielsweise persische Töpferware, die chinesisches Porzellan imitiert, oder ein Designermantel von Alexander McQueen, der den klassischen Uniformstil mit Paisleymuster kombiniert. In Korrespondenz dazu entwickeln Esther Pilkington, Sophia Prinz (beide Europa Universität Frankfurt/Oder) und Ulrich Schötker (Erich-Kästner-Schule Hamburg-Farmsen) ein experimentelles Vermittlungsprogramm das sich an Schülerer als Experten des transkulturellen
Alltags richtet. Dabei werden Schülergruppen der Erich-Kästner Schule in Hamburg-Farmsen nicht nur aktiv in die museale Forschung und Ausstellungsgestaltung eingebunden, sondern auch dabei unterstützt, die Dingordnung ihrer eigenen Lebenswelt ethnographisch zu ergründen. Ziel dieser Zusammenarbeit ist eine zweite Sammlung von Ausstellungsobjekten, welche die historischen Exponate des Museums kommentiert, unterstützt oder konterkariert. In einem weiteren Teilprojekt gehen Hans Peter Hahn und Friedemann Neumann von der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt a.M. der Frage nach, wie sich die alltäglichen Dinguniversen von Migranten zusammensetzen, welche Geschichten und Erfahrungen mit ihnen verknüpft sind und welche Werte, Ziele und Sinnhorizonte sie transportieren. Abschließend werden die Einzelprojekte 2018 ihre Ergebnisse in einer Ausstellung im MKG zusammentragen. Gefördert wird das Projekt Mobile Welten. Zur Migration der Dinge in transkulturellen Gesellschaften für drei Jahre über die Forschungsinitiative „Die Sprache der Objekte – Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie vom Johann Jacobs Museum Zürich.

Sammmlungspräsentationen 2016

Matinee: 13. März 2016, 11 Uhr | 14. März 2016 bis März 2017
Schmuckraum. Vol. I: Wolfgang Skoluda

Wie die Mode, so gehört der Schmuck zu den wichtigen Insignien persönlicher Ausdrucksmöglichkeiten. Seine Funktionen reichen von der magischen Abwehr böser Kräfte über die Repräsentation von Status und Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Gruppen bis hin zu freiem Autorenschmuck, der seine Träger als kreative Individuen ausweist. Schmuck war und ist ein Kommunikationsmittel. Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) besitzt eine umfangreiche, vier Jahrtausende umfassende Schmucksammlung. Ein Schwerpunkt liegt auf dem antiken Schmuck, ein weiterer auf dem Schmuck des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Sammlung spiegelt das facettenreiche Spektrum von den großen Klassikern der traditionellen Goldschmiedekunst über avantgardistische Tendenzen bis hin zum freien Schmuck, der sich ab den 1960er Jahren zu einer eigenständigen Kunstgattung entwickelt. Die Jahresmesse für Kunst und Handwerk, die seit über 130 Jahren im MKG stattfindet und damit eine der ältesten Kunstmessen in Deutschland ist, bietet alljährlich eine wichtige Plattform für aktuellen Schmuck. Hier können die Besucher ihren Blick für handwerkliche Virtuosität, materialgerechte Verarbeitung sowie experimentelle Ansätze und neue Konzepte von Schmuckform, -farbe und -material schärfen. Zukünftig möchte das MKG den Schmuck stärker in den Fokus der Besucher rücken und etabliert hierfür einen neuen Ausstellungsraum. In Einzel-, Gruppen- und Themenausstellungen wird die Schmucksammlung des MKG neu kontextualisiert und mit den aktuellen Schmuckdiskursen vernetzt. Den Auftakt zur neuen Ausstellungsreihe liefert der Hamburger Schmuckkünstler Wolfgang Skoluda (*1935). Seit 1959 stellt er kontinuierlich auf der Jahresmesse auf. Skoluda arbeitet bevorzugt mit dem Material Gold und besitzt eine große Vorliebe für antike Gemmen und Steine sowie Mineralien. Eine wichtige Inspirationsquelle für das Schmuckmachen lieferten ihm die Armbänder von Karl Schmidt-Rottluff, die sich ebenfalls in der Sammlung des MKG befinden. Wie der große expressionistische Künstler, so ist Skoluda als Schmuckmacher Autodidakt. Sein Oeuvre liefert eine perfekte Symbiose von Antike und Gegenwart. In diesem Sinne werden seine Arbeiten mit Objekten aus der Antikensammlung
des MKG in einen Dialog treten.

5. April bis 10. Juli 2016
Japanische Tagträume. Die Sammlung Fotografie im Kontext

Die Ausstellung Japanische Tagträume präsentiert rund 30 Arbeiten von ausgewählten japanischen Fotografen aus der Sammlung des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) und umreißt die Entwicklung der surreal-poetischen Fotografie in Japan zwischen den 1930er und den 1980er Jahren. In der Reihe Die Sammlung Fotografie im Kontext stellt das MKG Schwerpunkte der Sammlung Fotografie und neue Medien vor und ermöglicht fokussierte Einblicke in die umfangreichen Bestände. Mit Unterstützung des Vereins der Freunde der Photographie konnte das Haus in den 1980er Jahren eine umfangreiche Sammlung zeitgenössischer japanischer Fotografie aufbauen, die die historischen Reisefotografien aus dem fernen Osten und die Sammlung asiatischer Kunst spannungsvoll ergänzt.

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