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Das Ringen der Ukraine um den eigenen Staat zwischen 1918 und der Gegenwart

5. Juli | 19:00

Ein Vortrag von Prof. Dr. Frank Golczewski, Hamburg
Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Benz, Berlin 

Bereits wenige Jahre nach dem Beginn seiner Präsidentschaft im Jahr 2000 bestritt Russlands Präsident Putin die Staatlichkeit der Ukraine. Tatsächlich hat es die Ukraine, die im Januar 1918 ihre Unabhängigkeit erklärte, bis zum Zerfall der Sowjetunion nicht geschafft, für längere Zeit einen Staat zu bilden. Auch die Sowjet-Ukraine genoss nur in den 1920er Jahren gewisse kulturelle Freiheiten. Warum das so war, soll im Vortrag dargestellt werden. Gemischte Bevölkerungs­verhältnisse ließen sich ebenso wie die historische Genese der ukrainischen Eigenständigkeit verschieden interpretieren und nutzen. Deutschland sah in der Ukraine 1918 ein Gebiet zum Ausbeuten und während der NS-Zeit einen Teil des zu erobernden „Lebensraums“. Aber auch die ukrainischen Nationalisten radikalisierten sich in der Zwischenkriegszeit und begingen während des Zweiten Weltkriegs unter deutscher Herrschaft Massenmorde. Eine wirklich unabhängige, zudem „europäische“ Ukraine kollidiert mit den geopolitischen Phantasien der russischen Politik und eines Teils der russischen Intellektuellen.

Frank Golczewski, 1948 geboren, ist Prof. i.R. für Osteuropäische Geschichte am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Neuere Geschichte Polens, Russlands/der Sowjetunion und der Ukraine. Zu seinen Veröffentlichungen gehören die Bände Geschichte der Ukraine (1993, Hg.) und Deutsche und Ukrainer 1914–1939 (2010) sowie die Aufsätze Die Dilemmata der ukrainischen Erinnerung (2014) und Unterschiedliche Geschichtsnarrative zur Ukraine im Kontext der aktuellen Krise (2018). In dem von Wolfgang Benz 2022 herausgegebenen Band Deutsche Herrschaft. Nationalsozialistische Besatzung in Europa und die Folgen ist er mit dem Beitrag Illusionen, Ausbeutung, Massenmord: Die Ukraine vertreten.

Wolfgang Benz, 1941 geboren, ist Professor em. an der Technischen Universität Berlin und war Leiter des dortigen Zentrums für Antisemitismusforschung.

Mehr unter: www.topographie.de