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Hören und Sprechen im Krieg: Wie kommunizierten Menschen unter NS-Herrschaft?

23. Juni | 19:00

Gerüchte, Flüsterpropaganda, verbotenes Wissen – wie tauschten sich Menschen im Zweiten Weltkrieg aus, wenn den offiziellen Medien nicht mehr zu trauen war? Ein neues Buch und eine Veranstaltung in Berlin gehen dieser Frage nach.

Am 23. Juni 2026 um 19 Uhr präsentiert die Topographie des Terrors in Berlin gemeinsam mit dem Institut für Zeitgeschichte München–Berlin und der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung das Buch „Hören und Sprechen im Krieg” (2025) von Dr. Felix Berge. Die Buchpräsentation wird von Dr. Andrea Riedle kommentiert und von Prof. Dr. Dierk Hoffmann moderiert; die Begrüßung übernimmt Dr. Kristina Meyer.

Der Ausgangspunkt ist ein aufschlussreicher Moment: Im Januar 1942 schlug der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS Alarm. Die Bevölkerung, so die Beobachtung, baue sich ihr eigenes Bild der Lage zusammen und übernehme „die unsinnigsten Gerüchte” kritiklos. Was das NS-Regime als Bedrohung wahrnahm, wird bei Berge zum Forschungsgegenstand.

Informelle Kommunikation als Überlebensstrategie

Auf breiter Quellenbasis untersucht Berge die Alltagskommunikation in der deutschen Gesellschaft zwischen 1939 und 1945 – als einen Prozess des Sammelns, Aneignens und Weitergebens von Informationen. Wer mehr wusste als die Nachbarn, besaß Vorteile. Informelles Wissen konnte in der Krise Orientierung geben, Souveränität verleihen und schlicht dem Überleben dienen.

Doch die Menschen artikulierten in diesen Gesprächen nicht nur Ängste und Unsicherheiten – sie sprachen auch über Verbrechen und den Holocaust. Kommunikation unter NS-Herrschaft war damit weit mehr als harmloser Austausch: Sie war ein gesellschaftlicher Raum, in dem Wissen über das Regime und seine Verbrechen zirkulierte.

Besonders aufschlussreich ist Berges Befund über das Verhältnis von Regime und Gerücht: Das NS-Regime bekämpfte „Gerüchtemacherei” nicht nur als Gefahr – es nutzte informelle Kommunikation in Form gezielter Mundpropaganda zugleich selbst als Herrschaftsinstrument.

Die Veranstaltung stellt damit auch eine hochaktuelle Frage: Was geschieht mit einer Gesellschaft, wenn das Vertrauen in Medien und offizielle Wahrheit zerfällt – und wie strukturiert informelle Kommunikation das soziale Gefüge in der Krise?

Mehr unter: topographie.de