Foto: Julian Salinas © Kunstmuseum Basel

(Pressemitteilung) Am 8. Februar 1980 wurde das Museum für Gegenwartskunst, heute Kunstmuseum Basel |Gegenwart, im St. Alban-Tal eröffnet und dem Kunstmuseum und damit der Basler Öffentlichkeit übergeben. Das Kunstmuseum Basel feiert das Jubiläum mit einem Fest im Juni und einem abwechslungsreichen Ausstellungsprogramm.

Das Museum für Gegenwartskunst konnte vor vierzig Jahren errichtet werden dank einer gemeinsamen Schenkung der Emanuel Hoffmann-Stiftung (EHS) und deren Gründerin Maja Sacher-Stehlin zusammen mit ihrer Familie an die Christoph Merian Stiftung, die das Gebäude seither dem Kunstmuseum Basel zur Verfügung stellt. Im europäischen Raum kam dieser Moment einem Statement gleich – in Basel entstand damit das erste Museum, das explizit der Gegenwartskunst und ihren aktuellen Diskussionen gewidmet ist.

Foto: Julian Salinas © Kunstmuseum Basel

«Die Initiative, die von Maja Sacher-Stehlin ausging, war schon damals und ist aus heutiger Sicht visionär und grossartig», sagt Josef Helfenstein, Direktor des Kunstmuseums Basel. «Bereits die Gründung der Emanuel Hoffmann-Stiftung 1933 hat sich auch für die Ausstellungsgeschichte des Kunstmuseums Basel als richtungweisend erwiesen, da die Sammlung der EHS der Öffentlichen Kunstsammlung Basel als Depositum zur Verfügung steht.

Die EHS hat stetig vorausblickend und durchaus riskant gegenwärtige Kunst für die Zukunft gesammelt. Fast 50 Jahre später hatte Maja Sacher-Stehlin dann den strategischen Weitblick, erneut in die Zukunft zu blicken und für diese zeitgenössische, teilweise noch nicht museal gesicherte Kunst eine physische Institution zu schaffen. Dass das Kunstmuseum Basel sich unablässig aus diesem reichhaltigen Fundus bedienen kann, ist ein einzigartiges Privileg.»

«Meine Grossmutter konnte durch das neue Museumsprojekt noch einmal so pionierhaft wirken wie immer, wenn es um ihr konsequentes Eintreten für zeitgenössische Kunst ging», sagt Maja Oeri, Präsidentin der Emanuel Hoffmann-Stiftung und der Laurenz-Stiftung. «Schon im Stiftungsvertrag der EHS hatte sie festgelegt, dass Werke von Künstlern zu kaufen sind, ‘die sich neuer, in die Zukunft weisender, von der jeweiligen Gegenwart noch nicht allgemein verstandener Ausdrucksmittel bedienen’. Die Tragweite dieser Satzung ist heute noch zu spüren. Für die Emanuel Hoffmann-Stiftung sind die wichtigsten und spannendsten Aufgaben nach wie vor die Suche nach neuer Kunst, die uns weiterbringt, sowie die öffentliche Präsentation der Sammlung, wofür sich die Räume im Kunstmuseum Basel ǀ Gegenwart auch 40 Jahre nach der Eröffnung des Baus wunderbar eignen.»

Die Entstehungsgeschichte

Auslöser der Initiative war die geplante Schenkung von Werken der Minimal Art des Grafen Panza di Biumo, der für seine Sammlung nach geeigneten Räumlichkeiten suchte. Maja Sacher- Stehlin reagierte auf diesen Impuls mit dem Vorschlag, ein eigenes Museum für diese Art von Kunst zu bauen. Dem Kunstmuseum am St. Alban-Graben fehlte ohnehin der Platz, um alle Bestände, die gezeigt werden wollten, auch tatsächlich zu präsentieren. Das «Museum für Gegenwartskunst der Emanuel Hoffmann-Stiftung und der Öffentlichen Kunstsammlung» sollte erlauben, die von der EHS und dem Kunstmuseum angekauften Werke aus den «letzten anderthalb Jahrzehnten» endlich zu zeigen, wie der damalige Direktor Franz Meyer 1980 in der Pressemitteilung schrieb.

Die Christoph Merian Stiftung (CMS) hatte sich 1975 bereit erklärt, die Bauten der früheren Stöcklin’schen Papierfabrik im St. Alban-Tal für das Vorhaben zu reservieren und den Umbau zu leiten. Im Dezember desselben Jahres erfolgte die Schenkung der Baukosten durch Maja Sacher-Stehlin, Präsidentin der Emanuel Hoffmann-Stiftung, und ihre Familie an die CMS, die ihrerseits inzwischen die Architekten Katharina und Wilfrid Steib mit der Projektierung beauftragt hatte. Weil das eine Gebäude für einen Umbau ungeeignet war, wurde an seiner Stelle ein Neubau geplant, der durch einen Zwischentrakt mit dem Altbau verbunden wurde. Als Beitrag zur Deckung der Betriebskosten äufneten die EHS und die CMS gemeinsam zudem den «Fonds für künstlerische Aktivitäten im Museum für Gegenwartskunst der Emanuel Hoffmann-Stiftung und der Christoph Merian Stiftung».

2005 wurde das Haus umfassend renoviert, Anfang 2019 wurden kleinere Sanierungsarbeiten ausgeführt. Im Jahr 2016 erfolgte die Umbenennung in Kunstmuseum Basel | Gegenwart.

Bemerkenswerte Ausstellungen zeitgenössischer Kunst

1980 noch wurde als Grenzscheide die «künstlerischen Bewegungen von Nouveau Réalisme und Pop Art» festgelegt, um zu bestimmen, welche Werke aus den Sammlung der EHS und des Kunstmuseums im Hauptbau am St. Alban-Graben und welche im Museum für Gegenwartskunst ihren Platz finden. Seit der Eröffnung des Neubaus am St. Alban-Graben im Frühjahr 2016, in dem vermehrt selbst zeitgenössische Kunst gezeigt wird, hat sich diese Trennung aufgeweicht. Schon seit den frühen Achtzigerjahren werden ausserdem im Haus im St. Alban-Tal neben den Sammlungspräsentationen auch Wechselausstellungen eingerichtet.

Eröffnet wurde das Museum für Gegenwartskunst (MGK) unter dem damaligen Direktor Franz Meyer mit einer Ausstellung zum Bestand der Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung. Auch sein Nachfolger Christian Geelhaar sowie die späteren Direktorinnen und Direktoren richteten im MGK Ausstellungen ein. Bald erhielt das Haus jedoch eine eigene Leitung: Zu den Kuratorinnen und Kuratoren zählen Jörg Zutter, Theodora Vischer, Philipp Kaiser, Nikola Dietrich und aktuell Søren Grammel.

Auf einer Ausstellungsfläche von 2460 Quadratmetern wurden in den letzten 40 Jahren Ausstellungen von Matthew Barney, Johanna Billing, Monica Bonvicini, Marcel Broodthaers, Tacita Dean, Katharina Fritsch, Robert Gober, Rodney Graham, Dan Graham, Gary Hill, Roni Horn, Pierre Huyghe, Ilya Kabakov, Toba Khedoori, Annika Larsson, Louise Lawler, Hilary Lloyd, Brice Marden, Reinhard Mucha, Bruce Nauman, Claes Oldenburg, Elizabeth Peyton, Richard Prince, Richard Serra, Rosemarie Trockel, Jeff Wall, Andrea Zittel, Schweizer Künstlerinnen und Künstler wie Fischli / Weiss, Markus Raetz, Hannah Villiger und Rémy Zaugg sowie Gruppenausstellungen wie zum Beispiel fremdKörper (mit Videoinstallationen von Matthew Barney, Gary Hill, Bill Viola u.a.) und White Fire – Flying Man mit amerikanischer Kunst aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gezeigt. Zu den bemerkenswertesten Ausstellungen gehört auch die permanente Präsentation der Werkgruppe von Joseph Beuys im obersten Stock, der ebenfalls mehrfach mit einer Einzelausstellung geehrt wurde.

Aktuell ist im Kunstmuseum Basel | Gegenwart die Ausstellung Circular Flow zu sehen, auf die im Juni eine Schau zum Frühwerk der deutschen Künstlerin Isa Genzken folgt. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums zeigt das Museum ausserdem ab Sommer Neuzugänge aus der Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung. Den Auftakt macht die Schweizer Premiere von Antigone (2018), dem neusten Film der britischen Künstlerin Tacita Dean, gefolgt ab November von einer Auswahl weiterer Installationen und Werkgruppen verschiedener Künstlerinnen und Künstler der Sammlung.

Mehr unter: www.kunstmuseumbasel.ch

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